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Foto: AP/Bruno
Rom - Völlig unklare Situation in der Mailänder Scala. Die seit fast drei Wochen streikende Belegschaft des weltberühmten Opernhauses hat bei einer spannungsgeladenen Versammlung am Mittwoch den Rücktritt des Musik-Direktors Riccardo Muti gefordert. Dabei stimmten fast alle 800 Angestellten des Opernhauses außerdem für die Demission des neuen, umstrittenen Intendanten Mauro Meli. Nach Angaben italienischer Medien vom Donnerstag habe Muti seinen Rücktrittsbrief eingereicht, das Theater dementierte jedoch, dass der Maestro das Handtuch geworfen habe.

Meli will eindeutig nicht zurücktreten

"Es ist ein Skandal, was in diesem Theater geschieht. Ich bin vom Aufsichtsrat beauftragt worden und ich werde nicht zurücktreten. Ich möchte meinen Beitrag leisten, damit der Dialog mit der Belebschaft wieder aufgenommen wird", kommentierte Meli. Er war Anfang März als Nachfolger des Intendanten Carlo Fontana ernannt worden, der wegen gravierender Divergenzen mit Muti zurückgetreten war.

Der italienische Kulturminister, Giuliano Urbani, zeigte sich über die chaotischen Zuständen im Opernhaus besorgt und rief Muti auf, nicht zurückzutreten. "Ich hoffe, dass man die Bedingungen schaffen kann, damit Riccardo Muti heute und in den kommenden Jahren das Theater leitet", sagte Urbani in einer Presseaussendung.

Der Auslöser

Im Februar war Intendant Fontana ausgewechselt und durch Meli ersetzt worden. Meli gilt als Vertrauensmann Mutis, ist aber bei der Scala-Belegschaft nicht beliebt. Hintergrund des Führungswechsels waren Reibereien zwischen Muti und Fontana über "künstlerische Fragen". Fontana wird jedoch vom Orchester und von der Belegschaft des Theaters offen verteidigt. Er war vor allem wegen der zunehmenden Verschuldung des Hauses unter Druck geraten, die zwischen 16 und 18 Millionen Euro beträgt.

Der Mailänder Bürgermeister Gabriele Albertini könnte Indiskretionen zufolge entscheiden, das Theater unter die Leitung eines Kommissars zu stellen. Wegen des Streiks der Belegschaft musste Muti ein für Freitag vorgesehenes Konzert des Philharmonischen Orchesters absagen. Das "von Beleidigungen und Unverständnis geprägte Klima" schaffe derzeit "nicht die angemessenen Bedingungen, um gemeinsam Musik zu machen", hatte Muti kürzlich in einem Brief an das Orchester. Er habe diese Entscheidung "schweren Herzens" getroffen.(APA)