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Pater Georg Sporschill mit einem Straßenkind

Foto: APA/ KOEHLMEIER BIRGIT
Rustam tanzt. Dann umarmt er Philippe, den Betreuer, und hüpft wieder um ihn herum. Nach drei Wochen Aufenthalt im Kinderspital in Chisinau kann der Elfjährige wieder zurück in das Kinderhaus der Concordia, der Hilfsorganisation des Vorarlberger Jesuitenpaters Georg Sporschill. Katja muss noch bleiben, denn sie hat nicht nur Hepatitis A, sie trägt auch das Hepatitis-C- Virus in sich.

Kein Geld für Matratzen

Rustam packt seine Sachen ein: einen Teller, eine Gabel, einen Löffel, den Rest der Klopapierrolle. Jeder Patient muss seine eigene Ausstattung in das Kinderspital mitbringen. Dort gibt es kein warmes Wasser, es riecht nach Chlor. Viele Kinder liegen auf den rostigen Bettgestellen, für Matratzen ist kein Geld aufzutreiben.

Zurück im Kinderhaus von Concordia. Hier leben 16 Kinder. Die Buben haben gerade Breakdance geübt. Sie planen eine Vorführung. Als Rustam hereinkommt, herzen sie den Zurückgekehrten.

Rustam kam vor einigen Monaten in das Kinderhaus in der "Stadt der Kinder", weil seine Mutter im Gefängnis sitzt. Die fünfjährige Mascha hatte ein anderes Schicksal: Sie wurde von ihrer Mutter zu einer Nachbarin gebracht - sie komme in ein paar Tagen wieder, habe sie gemeint. Maschas Mutter kam nicht mehr, nun ist die Kleine auch in der Betreuung der Concordia.

50 Kinder wurden kürzlich aus Russland nach Chi¸sinau abgeschoben. Ihre Eltern, moldauische Gastarbeiter, haben sie zurückgelassen. Am Freitag, werden sie und weitere 50 Kinder in die sechs neu gebauten Häuser in Pirita, 30 Kilometer außerhalb von Chi¸sinau, ziehen.

Österreicher helfen

Für 100 weitere werden die Häuser in der "Stadt der Kinder" noch gebaut. Die österreichische Strabag hat um rund 200.000 Euro Arbeitskräfte sowie die Koordination für Bau und Transport zur Verfügung gestellt.

In Moldau leben geschätzt 40.000 Kinder ohne Betreuung, viele von ihnen auf der Straße. Für einige Wochen werden sie von der Polizei versorgt. Wenn sie dann nicht das Glück haben, in einem der privaten Projekte unterzukommen, landen sie in einem der schlecht betreuten staatlichen Kinderheime.

Der moldauische Präsident Vladimir Voronin unterstützt die "Stadt der Kinder". Ohne die Hilfe seiner Frau Taisia Voronin, einer ehemaligen Kindergärtnerin, hätte die Anlage nicht innerhalb eines Jahres aufgebaut werden können. Denn normalerweise geht in dem ärmsten Land Europas ohne Schmiergeldzahlungen gar nichts.

Aus Spenden finanziert

In Pirita werden gerade die Pädagogen ausgesucht. Pater Sporschills Concordia versucht, direkt Leute aus Pirita zu gewinnen, um die Unterstützung und Integration des Projekts im Dorf zu erreichen. Die neuen Mitarbeiter werden zur Einschulung nach Rumänien geschickt, wo Concordia seit 1992 für Straßenkinder und Kinder in Not Projekte aufgebaut hat. Die Betreuung und Versorgung eines Kindes kostet pro Monat 150 Euro und wird zur Gänze aus Spenden (Raiffeisenbank Wien, Kontonummer 7034499, BLZ 32.000) finanziert.