Wien - In der Causa um Bewegungsstudien an Leichen an der Technischen Universität (TU) Graz hat Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) nun die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt eingeschaltet.

Das Gremium solle einerseits klären, ob derartige Versuche mit Leichen aus wissenschaftlicher Sicht wirklich nötig seien und auch die ethischen Seiten der Sache abklären, so Gehrer am Rande einer Pressekonferenz am Freitag in Wien. Gehrer begrüßte es, dass auch die Ethik-Kommission der Universität eingeschaltet worden sei.

Für Aufsehen sorgt derzeit ein Antrag des Instituts für Fahrzeugsicherheit der TU Graz, wonach für Bewegungsversuche zur Entwicklung und Weiterentwicklung so genannter Crash-Test-Dummies - also Simulationspuppen mit High-tech-Innenleben - fünf Leichen eingesetzt werden sollen. Die Universität hat bereits in der Vergangenheit rund 20 Leichen für derartige Versuche herangezogen. Die Toten werden bei Aufprallversuchen mit geringen Geschwindigkeiten gefilmt und die Videos dann ausgewertet. Nach den Daten sollen die Puppen besser den menschlichen Verhältnissen angepasst werden. Routinemäßige Crash-Tests sind mit den Leichen nicht geplant.

"Bewegungsstudien an Leichen" sind auch für Medizinethik-Kommissionen nichts Alltägliches. Ernst Singer, Vorsitzender des Gremiums an der Medizin-Uni Wien, kann sich jedenfalls an keinen derartigen Fall erinnern. Derzeit ist die Medizinethik-Kommission mit rund 500 Fällen pro Jahr konfrontiert, meist gehe es um die Entnahme von winzigen Gewebeproben.

"In jedem Fall muss geprüft werden, ob die Angelegenheit mit den Gesetzen im Einklang ist", so Singer gegenüber der APA. Wenn es Zweifel gebe, ob etwa der Straftatbestand "Störung der Totenruhe" gegeben sein könnte, wird von der Kommission ein juristisches Gutachten angefordert.

Weitgehend ausgenommen von derartigen Prüfungsverfahren sind dagegen so genannte Anatomie-Leichen. Es handelt sich dabei um die Körper von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt haben, dass sie ihre sterblichen Überreste der Wissenschaft überantworten. Anatomie-Leichen werden zum Großteil in der Lehre oder in der medizinischen Forschung eingesetzt. (APA)