Bischkek - Angesichts der bisher größten Proteste gegen Wahlbetrug in Kirgisien hat die Regierung des mittelasiatischen Landes am Sonntag Gesprächsbereitschaft mit der Opposition bekundet. "Wir hoffen, dass es keine weitere Gewalt gibt", sagte ein Berater von Präsident Askar Akajew, Abdil Seghisbajew. Die Demonstranten haben auch den Rücktritt Akajews gefordert.

Die Oppositionspolitikerin und frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa forderte aber die Sicherheitskräfte zunächst zu einem Ende der Gewalt auf. "Einen Dialog kann es nicht geben. Solange die Staatsmacht Gewalt gegen das eigene Volk anwendet", sagte sie nach Angaben der Agentur Interfax.

Autoritärer Kurs

Die Hochgebirgsrepublik Kirgisien galt in den 1990er Jahren als liberalstes Land in Zentralasien. In den vergangenen Jahren schlug Akajew jedoch wie seine Nachbarherrscher einen autoritären Kurs ein. Die Parlamentswahl sollte den Boden bereiten, um bei der kommenden Präsidentenwahl Ende Oktober ungefährdet einen Nachfolger seiner Wahl durchzusetzen. Akajew selbst darf der Verfassung nach nicht mehr antreten. Sein Sohn und seine Tochter wurden ins Parlament gewählt.

Kirgisien ist die dritte frühere Sowjetrepublik, in der es Massenproteste gegen eine autokratische Regierung gibt. Im vergangenen Jahr führten Massenproteste gegen Wahlbetrug in der Ukraine einen Politikwechsel herbei, ein Jahr zuvor trat der georgische Präsident Eduard Schewardnadse nach wochenlangen Demonstrationen zurück. (APA/AP/dpa)