Bild nicht mehr verfügbar.

Die Waliser Owen und Thomas präsentieren den Siegerpokal unter Champagner-Schauer.

Foto: Reuters/Staples
Wales feiert. Mit einem 32:20-Erfolg in Cardiff über Irland sicherte am Samstag das Rugby-Team des kleinen Landes erstmals seit 1994 wieder den Sieg im traditionellen Six-Nation-Turniers, das in seiner Urform seit 1883 ausgespielt wird (anfangs unter den vier Teams von den Britischen Inseln, 1910 gesellte sich Frankreich dazu, Italien ist seit 2000 dabei).

Das natürlich ausverkaufte Millennium-Stadion sah einen nervösen Beginn der Waliser im direkten Duell um den Platz an der Sonne mit den Iren. Kein Wunder bei einem solchen Anlass. Dazu kommt dass der letzte Sieg über den grünen Angstgegner in Cardiff nicht weniger als 22 Jahre zurück liegt. Flyhalf Stephen Jones vergab einen leichten Penalty und sein Gegenüber Ronan O'Gara brachte die Iren 3:0 in Führung.

Centre Steve Henson, der mit einem Penalty den Last-Minute-Sieg über England in trockene Tücher gebracht hatte, sorgte mit dem Ausgleich mittels Dropgoal für kollektives Aufatmen. Irland blieb jedoch weiter das etwas stärkere Team. Dann fing Gethin Jenkins einen Kick von O'Gara ab, kontrollierte den Ball einwandfrei und überquerte die Line zum ersten Try der Partie. Der Umschwung war da und bis zur Halbzeit erarbeitete sich Wales eine 16:6-Führung.

Entscheidung nach einer Stunde

Jones kam immer besser in Schwung und verwertete in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit zwei Penalties. Insgesamt erkickte er 16 Punkte für sein Team. Der Lärmpegel in der Arena wuchs unaufhörlich, wenn man das bei den wundervollen Chorälen der walisischen Zuschauer despektierlich so nennen darf. (Darf man natürlich nicht.) "Unglaublich ist das, ehrlich gesagt. Die Unterstützung war heute fantastisch. Die haben uns durch ein schweres Spiel getragen", würdigte Shane Williams den Einsatz der Fans. In der 57. Minute gelang dem Flügel Tom Shanklin ein Durchbruch und er schickte Kevin Morgan auf die Reise zum zweiten Try, der die Angelegenheit dann auch so gut wie entschied. Die Iren gaben aber bis zum Ende nicht auf und schafften in der Schlussphase durch Versuche von Marcus Horan und Geordan Murphy noch eine verdiente Resultatsverschönerung.

Wundersame Wandlung

Wales beendete das Turnier ungeschlagen, womit die zusätzliche Ehre des Grand Slam verbunden ist. Der letzte so genannte Clean Sweep war schon gar nicht mehr wahr, er datiert aus 1978 und somit den Hochzeiten des walisischen Rugby. Um die Unwahrscheinlichkeit des heurigen Fischzugs zu ermessen, genügt die Erinnerung an die Geschehnisse vor zwei Jahren, als das Team noch alle Matches verloren hatte. Hinter Italien blieb bloß ein peinlicher letzter Platz. "Brilliant, kolossal", meinte Scrumhalf Dwayne Peel. "Wir sind gemeinsam durch schwere Zeiten und dunkle Stunden gegangen. Wir haben alles gegeben."

Frankreich gewann in Rom gegen Italien erwartet klar 56:13, verpasste aber trotzdem die Titelverteidigung. England setzte sich in einer Partie gegen Schottland, in der es nur noch um die Ehre ging, 43:22 durch. Dadurch rückte der Weltmeister nach insgesamt enttäuschendem Turnierverlauf wenigstens noch auf Platz vier vor. (Michael Robausch)

Six-Nation-Sieger der letzten zehn Jahre:

 2005 - Wales
 2004 - Frankreich
 2003 - England
 2002 - Frankreich
 2001 - England
 2000 - England
 1999 - Schottland
 1998 - Frankreich
 1997 - Frankreich
 1996 - England
 1995 - England

Grand-Slam-Gewinner:

England (12): 1913, 1914, 1921, 1923, 1924, 1928, 1957, 1980, 1991, 1992, 1995, 2003

Wales (9): 1908, 1909, 1911, 1950, 1952, 1971, 1976, 1978, 2005

Frankreich (8): 1968, 1977, 1981, 1987, 1997, 1998, 2002, 2004 Schottland (3): 1925, 1984, 1990 Irland (1): 1948