Prag - Die Einwände der Tschechen gegenüber der EU-Verfassung sind nach Auffassung des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus auf die durch ihre historischen Erfahrungen gewonnene Sensibilität zurückzuführen. Das gelte auch für die einstige Zugehörigkeit des heutigen Tschechiens zur österreichisch-ungarischen Monarchie, erklärte Klaus in einem am gestrigen Samstag ausgestrahlten Interview mit dem Tschechischen Rundfunk.

"Es ist völlig klar, dass uns die Erfahrungen aus der Vergangenheit beeinflussen. Die gegenwärtigen Generationen - die meine bestimmt - nehmen Österreich-Ungarn als ein großes Problem unserer Geschichte wahr. Ich wurde zwar 23 Jahre nach dem Zerfall Österreich-Ungarns geboren, sodass ich auch keine persönliche Erfahrung damit habe. Trotzdem ist es irgendwie in mir", meinte Klaus, der die EU-Verfassung strikt ablehnt.

Eine tragische Erfahrung sei außerdem die deutsche Okkupation und das Protektorat (Böhmen und Mähren, Anm.) im Zweiten Weltkrieg, dann die Erfahrung mit der Sowjetunion und mit dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (ökonomische Organisation des ehemaligen Ostblocks, Anm.). "Das alles sind wichtige Sachen", sagte Klaus.

Dass andere Länder Mittel- und Osteuropas mit einer großer Mehrheit die EU-Verfassung akzeptieren, kann man laut Klaus darauf zurückführen, dass Tschechien westlicher von ihnen liege. "Wir sind im Herzen Europas, sodass wir unsere Zugehörigkeit zu Europa als gegeben, unanzweifelbar und ewig betrachten", so Klaus. Für andere Länder Osteuropas sei diese Selbstverständlichkeit nicht so groß. "Ihr Europäertum vergewissert sich durch die EU-Mitgliedschaft. Dagegen kann unsere Auffassung freiheitlicher und selbstbewusster sein", betonte der tschechische Präsident. (APA)