Horror vacui. Diese "Angst vor der Leere" ist kein Phänomen der Kunstgeschichte längst verflogener Jahrhunderte, nein auch zeitgenössische KünstlerInnen und KuratorInnen sind nicht immun gegen die Phobie vor der freien Fläche: Das Krankheitsbild wurde zuletzt im Künstlerhaus diagnostiziert. Und damals wie heute sind die Symptome recht absonderlich: Bevölkerten im Hochmittelalter etwa fratzenschneidende Monster und verspielte Fabelwesen Säulchen und Gesimse, so tummeln sich im Künstlerhaus zwischen Boden und Fries knallrote Schwimmflügel - zum Pflücken und Kaufen - in einem Wust aus bedrucktem Papier.

"Update", kuratiert von Lorenz Seidler, besser bekannt als "eSeL in der Kunst", will aber mehr als zeitgenössisches Wand-Dekor von KünstlerInnen der Wiener Off-Szene präsentieren. Eigentlich stehen deren alternative Überlebensstrategien im wenig zimperlichen Kunstfeld im Zentrum: Selbstvermarktung, Vernetzen und Multi-Tasking, was soviel bedeutet wie heute Grafiker, morgen DJ und am Freitag darf ich endlich Künstler sein.

Das ist laut Seidler die wahre Realität der jungen Kunstschaffenden. Mehr als 60 KünstlerInnen und -gruppen stopfte er in die Ausstellung, die - wie wir erfahren - die "Netzwerk-Aktivitäten des Kurators sichtbar machen". Da kann es einem mitunter ganz schwindlig werden.

Manche trifft es noch härter: Für jene entwickelte Ivan Igor Sapic das Projekt "mietkünstler". Als Gärtner oder Babysitter wird zumindest der Käse am Brot leistbar und die Kunden eine künstlerisch aufgewertete Dienstleistung. Da hat dann jeder was davon.

Die Spielregeln der Kunst sind bitter.

und der Beipackzettel warnt: vorsicht, das lebensgefühl könnte sich verbessern

Eigentlich geht es um horror anderer Natur: