Wien - Die Bestimmungen zum internationalen Leihverkehr von Kunstwerken sind von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Während in Österreich das Bundesdenkmalamt (BDA) für die Ausfuhrgenehmigungen zuständig ist, werden diese etwa in Russland direkt vom entsprechenden Ministerium ausgestellt. In Italien ist die zuständige "Soprintendenza" so streng, dass sich "sehr viele private Leihgeber nicht mehr trauen, Bilder zu verleihen", schildert die Leiterin des BA-CA Kunstforums, Ingried Brugger. Zu einer Verteuerung des Kunstverleihs in Europa führen darüber hinaus uneinheitliche Regelungen zur Staatshaftung, wie eine neue Studie zeigt.

Brugger: "Vollkommen überzogenene" Bestimmungen für den Auslandsverkauf

In Bezug auf Ausfuhrbestimmungen ist "Italien wirklich ein großes Problem", schildert Brugger. Jedes verliehene Kunstwerk muss auf jeden Fall der Soprintendenza vorgelegt werden. Damit landet dieses Werk gleichzeitig auf einer Liste, die "vollkommen überzogenen" Bestimmungen für den Auslandsverkauf unterliegt. Diese Bestimmungen seien "sehr viel strenger als in Österreich", so Brugger.

Liste mit gesperrten Kunstwerken sei derzeit außer Kraft gesetzt

Italien sei jedoch das einzige Land, wo es derartige Probleme gebe. Was jedoch nicht heiße, dass man aus anderen Ländern alle Bilder bekommt: "Es gibt in jedem Museum Bilder, die nicht verliehen werden dürfen, weil sie zu wichtig für die Sammlung oder zu fragil sind oder weil sie einfach nicht außer Landes gebracht werden dürfen. Das weiß das Museum selber, da ist es sinnlos, darum zu bitten", so Brugger, die ergänzt: Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder habe mit den berühmten Dürer-Blättern dem Prado "sehr viel versprochen". Dafür, dass es Kunstwerke gibt, die einfach nicht verliehen werden, "bringt jeder Kollege weltweit Verständnis auf". In Österreich hat es bis zur Ausgliederung der Bundesmuseen eine 1971 erstellte Liste mit gesperrten Kunstwerken gegeben, die jedoch derzeit außer Kraft gesetzt ist.

"Übersensibilisierung" befürchtet

Nach der Affäre um die Dürer-Blätter aus der Albertina befürchtet Brugger nun eine "Übersensibilisierung" im Bereich des internationalen Leihverkehrs. Dieser sei schon durch die Beschlagnahme des Schiele-Gemäldes "Bildnis Wally" aus der Sammlung Leopold in den USA 1998 erschwert worden. Dies sei der Beginn der Restituierungsprobleme im Bereich der Bildenden Kunst gewesen, so Brugger, die betont, dass die entsprechenden Regelungen "zu Recht bestehen", ebenso wie Ausfuhr- und Verkaufsregelungen: "Es ist früher sehr viel ausgeführt oder verkauft worden, von dem man sich heute denkt: Schade, dass es nicht mehr in Österreich ist".

Uneinheitliche Gesetzgebung

17 von 31 in einer Studie der Europäischen Kommission untersuchten europäischen Länder, darunter Österreich und Spanien, haben Gesetze zur Staatshaftung für Kunstwerke, um u. a. etwaige Schäden während einer Sonderausstellung zu decken. Diese Gesetze sind jedoch derart uneinheitlich, dass manche Verleiher die Staatshaftung nicht akzeptieren und ihre Werke nur verleihen, wenn zusätzliche kommerzielle Versicherungen abgeschlossen werden. Versicherungskosten machen daher rund 20 Prozent des Budgets der Sonderausstellungen aus, zeigt die Studie.

Kostensenkung: Entweder Nicht-Versichern oder Staatshaftung

Um Kosten zu senken gebe es zwei Hauptalternativen: Die in manchen Ländern übliche Nicht-Versicherung von Kunstwerken, die von Verleihern jedoch so gut wie nicht akzeptiert wird, und eben die Staatshaftung. Bis heute wurden nur in Finnland und Großbritannien tatsächlich Schäden an Kunstwerken im Rahmen einer Staatshaftung gedeckt. In den Ländern ohne Staatshaftung beklagen die Museen dennoch Schwierigkeiten bei der Organisation internationaler Ausstellungen, zeigt die von der Museenvereinigung EPIC und den Staatlichen Museen zu Berlin erstellte Studie.

In der EU gebe es derzeit 30.000 Museen mit jährlich insgesamt 500 Mio. Besuchern. 300 dieser Museen veranstalten regelmäßig Sonderausstellungen von europäischem Maßstab, heißt es nach Angaben des ICOM Österreich in der Studie. (APA)