Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat einer Koalition mit der Union auf Bundesebene eine Absage erteilt und sich zum Bündnis mit den Grünen bekannt. "Es gibt keine große Koalition in Berlin", sagte er am Montag in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv. Zwar sei eine Koalition immer ein Zweckbündnis, doch gebe es genügend Gemeinsamkeiten zwischen SPD und Grünen für die Fortsetzung der Regierungszusammenarbeit in Berlin. Schröder verteidigte die Leistungen von Rot-Grün. "Ohne uns wäre das Land in größeren Schwierigkeiten".

Er erinnerte an den Wechsel an der SPD-Parteispitze von ihm zu Müntefering vor genau einem Jahr. So wie damals würden auch die aktuellen Schwierigkeiten "durch Arbeit überwunden werden". SPD-Chef Franz Müntefering rief die rot-grüne Koalition auf, aus der Routine der vergangenen Monate herauszukommen: "Die Zeit der Querpässe ist vorbei". Er forderte, die "Dynamik im Handeln der Koalition" müsse besser werden.

Schröder will mehr Tempo

Die Koalitionsfraktionen und die Regierung müssten miteinander für Tempo sorgen, statt zu viel Kraft in innere Klärungsprozesse zu stecken, sagte er nach der Sitzung des Parteivorstandes in Berlin. Damit seien alle gemeint, nicht nur die Grünen. "Man kann ja auch klüger werden", sagte er.

Der SPD-Vorsitzende nannte Spekulationen über eine große Koalition im Bund angesichts der bevorstehenden Verhandlungen zwischen Union und SPD in Kiel zwar verständlich. "Für mich verbindet sich das aber mit keinerlei Illusion, schon gar nicht mit irgendeiner Absicht oder Perspektive." Auch SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler lehnte eine große Koalition im Bund ab. Dazu gebe es zwischen SPD und Union zu wenig Gemeinsamkeiten, sagte er im RBB. Die rot-grüne Koalition beschrieb er wie Schröder als Zweckgemeinschaft.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer wies Kritik an der Regierungsarbeit des kleineren Koalitionspartners zurück. Es gebe "keinen Grund für einen Hype", sagte er in Berlin. In der vergangenen Woche sei die Zusammenarbeit von Grünen und SPD rund um den Job-Gipfel gut gewesen. Zu Rot-Grün gebe es keine Alternative. Eine Bundesregierung aus SPD und CDU sei "keine Option". Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, er fühle sich durch Münteferings Appell "angesprochen, aber nicht kritisiert". (APA)