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Für 8,8 Prozent der österreichischen Kinder, die eine Betreuung außer Haus bräuchten, gibt es kein oder kein ausreichendes Angebot.
Foto: APA/dpa/Grubitzsch

Wien - Mehr Kinderbetreuungsplätze, flexiblere Öffnungszeiten und bessere Ausbildung der BetreuerInnen sind massive Forderungen der SPÖ. Genau das ortet auch eine neue OECD-Studie als eklatanten Mangel im österreichischen Angebot. "Frauen wollen Beruf und Familie, doch sie werden gezwungen zu Hause zu bleiben," ließ SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende, Zweite Präsidentin des Nationalrates Barbara Prammer am Mittwoch in einer Aussendung verlautbaren und forderte ein Weiterführen der sogenannten "Kindergartenmilliarde" mit deren Hilfe unter SPÖ-Regierung 1997 bis 2000 insgesamt rund 30.000 Betreuungsplätze geschaffen worden sind.

Positiver Effekt von 1997 bis 2000

"Das hatte auch einen positiven Beschäftigungseffekt, vor allem für Frauenarbeitsplätze" sagte Prammer. Allein 1997/98 seien mit der Kindergartenmilliarde rund 2.000 Arbeitsplätze, vor allem für Frauen geschaffen worden.

Die noch nicht veröffentliche OECD-Studie untersucht derzeit in 20 Ländern die Betreuungssituation der Kinder bis zum sechsten Lebensjahr. Für 8,8 Prozent der österreichischen Kinder, die eine Betreuung außer Haus bräuchten, gibt es kein oder kein ausreichendes Angebot, was eine Erwerbstätigkeit beider Eltern nur schwer zulasse, bemängelt die OECD.

AK fühlt sich durch OECD-Studie bestätigt

Die Arbeiterkammer fühlt sich durch die Kritik der OECD in Sachen Kinderbetreuung bestätigt: Es werde in der Studie genau auf jene Probleme hingewiesen, die auch die AK in ihrer Analyse festgestellt hätte, betonte Ingrid Moritz, Leiterin der AK-Abteilung Frauen und Familie in einer Aussendung am Mittwoch. Das größte Problem seien unflexible Öffnungszeiten, lediglich in Wien sei die Situation "zufriedenstellend".

Kriterien für Kindergärten

Die AK hat den sogenannten Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) entwickelt, der von Statistik Austria ausgewertet wurde. Ein Kindergarten muss demnach vier Kriterien entsprechen: mindestens 40 Stunden pro Woche und täglich durchschnittlich 8 Stunden offen haben, zusätzlich an vier Tagen mindestens bis 17 Uhr Betreuung und täglich ein Mittagessen.

Das Ergebnis der AK-Untersuchung sei aber "katastrophal": Nur 31 Prozent aller Kindergärten entsprechen diesem Indikator, in Wien seien es 80 Prozent. Schlusslichter seien Tirol (fünf Prozent), Vorarlberg (neun Prozent) und Niederösterreich (zehn Prozent). Die AK beharrt darauf, dass 90.000 Betreuungsplätze fehlen würden oder mangelhaft seien.

Nur in Wien ausreichend

Dass die Situation in Wien "zufriedenstellend" sei, hört Jürgen Wutzlhofer, Wiener SPÖ-Gemeinderat, gern: In Wien seien 96 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs in einem Kindergarten untergebracht. Bei Kindern zwischen eineinhalb und drei Jahren seien es 56 Prozent. Die Stadt Wien unterstütze somit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von berufstätigen Eltern: "Die Kindergärten in den ÖVP-regierten Bundesländern Tirol und Vorarlberg nehmen bei den Öffnungszeiten so gut wie keine Rücksicht auf die Berufstätigkeit der Eltern", bekrittelte der Gemeinderat ebenfalls in einer Aussendung am Mittwoch. (red)