Die evangelische Superintendentin Gertraud Knoll hat gegen die schwarz-blaue Regierung demonstriert und sieht sich nun einer unglaublichen Hetzkampagne ausgesetzt. Es gibt Drohungen gegen sie und ihre Familie. FPÖ-Parteimitglieder initiieren eine Unterschriftenakion mit dem klaren Ziel, die unliebsame Kritikerin von ihrer Kirchenfunktion abzusetzen. Das hat nicht das Geringste mit einem kircheninternen Disput zu tun. Das zeigen die Diffamierungen der Kirchenfrau durch FPÖ-Funktionäre, die sie ins linksradikale Eck drängen wollen. Hier soll eine starke Frau einfach fertig gemacht werden - von offensichtlich schwachen Männern, die anders ihre Ziele nicht erreichen. FPÖ-Granden wie der Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer fällt dazu nichts Besseres ein, als auf eine saubere Trennung von Kirche und Politik zu drängen. Im Fall Knoll messen die Freiheitlich also mit völlig anderen Maßen als etwa beim St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn. Dessen deutliche Sympathiebekundungen für Jörg Haider und seine Partei haben in den Reihen der Blauen niemanden gestört. Was ein - katholischer - Kirchenmann darf, darf eine - evangelische - Kirchenfrau noch lange nicht. Die blauäugige Meinungsfreiheit ist ausschließlich männlich. Die schlossbesitzende Sozialministerin Elisabeth Sickl macht sich für ein Gespräch stark. Das hat frau schon einmal gehört. Bei Sickls Antrittspressekonferenz, als sie versprach, am Internationalen Frauentag alle Fraueninitiativen zum Gespräch einzuladen. Daraus geworden ist nichts, bis heute. Gefordert ist auch der Koalitionspartner Volkspartei. Wenn sie als Regierungspartei zu dieser menschenunwürdigen Verunglimpfung einer couragierten Frau nicht endlich klar auf Distanz geht, würde das heißen: Schüssel und Co haben aus vergangenen Fehlern nichts gelernt. Und das schadet ganz Österreich. Das Land würde niemals mit den EU-Sanktionen raufen müssen, wenn es die damaligen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP nicht verabsäumt hätten, die ausländerfeindlichen und den Nationalismus verharmlosenden Äußerungen Haiders in aller Deutlichkeit zu verurteilen. Rechtzeitig und im Schulterschluss.