Wien – In den Umfragen geht es den Grünen seit langem konstant gut. Trotz mangelnder Medienpräsenz, meinen die einen. Gerade deshalb, sagen die anderen. Eine Strategie gezielter Zurückhaltung stehe nicht dahinter, meint Grünen-Sprecher Lothar Lockl auf Anfrage des STANDARD. Aber: "Es stimmt, dass wir uns im tagtäglichen Hickhack zurückhalten, und es stimmt, dass weder Alexander Van der Bellen noch Eva Glawischnig das wollen."

Lockl betont, dass dieses Verhalten mit der Erwartung der umworbenen Wählern korrespondiert: "Für die sind Themen wie Gesundheit, Umwelt, Kinder, Frauen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Unsere Wähler wollen konkrete Antworten auf ihre Lebensumstände. Bei den Menschen kommt an, dass jemand wie Van der Bellen versucht, sich damit auseinander zu setzen und Lösungen anzubieten." Dafür werde auf "billige Schlagzeilen" verzichtet.

Dass dabei das Risiko entsteht, auch mit der leisen, zielgerichteten Botschaft unterzugehen, gibt er durchaus zu: "Die Gefahr besteht. Aber ich bin nicht sicher, ob die Wahrnehmung der Medien mit der jener Bevölkerungsgruppen ident ist, die sich weniger mit Politik beschäftigen." Mittelfristig setze sich die Botschaft durch, die Qualität besitze. Kurzfristig eher nicht, wie Lockl an einem hausgemachten Beispiel erläutert: "Als Van der Bellen im Parlament vom ,Schulden-Karli' sprach, blieb das am Finanzminister hängen. Natürlich hat das Aufmerksamkeit gebracht."

Nur sollte man mit solchen Bildern sparsam umgehen und "sie nur bringen, wenn es wirklich passt". Dass die Grünen auch Zeiten hatten, wo ihre Spitzenkandidaten von den Covern aller Boulevardblätter lachten und mehr als nur einen Seitenblick riskierten, hört Lockl nicht so gerne. Im Augenblick stimme die Mischung zwischen Lauten und Leisen in der Partei ganz gut, Peter Pilz oder Maria Vassilakou stünden für einen anderen Stil als Van der Bellen, Rudi Anschober wieder versuche es ein wenig wie der Professor.

Das Spitzenpaar der Grünen ist nach Ansicht Lockls ein Glücksfall für die Wählerbindung: "Glawischnig personifiziert den Lebensstil vieler Menschen in unserer Zielgruppe. Sie ist dynamisch, geht anders an die Themen heran und in Frauenfragen billigt man ihr einfach mehr Verständnis zu." Das ergänze sich ideal mit Van der Bellens Ansatz, der ein eher untypischer Politiker sei: "Einer, der sich mit Argumenten befasst und dem Gegner nicht sofort schlechte Motive unterstellt. Das ist im politischen Diskurs selten geworden." (DER STANDARD, Printausgabe, 24.03.2005)