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In Wales dreht sich in erster Linie alles um das Ei. Rugby ist die unangefochtene Nummer eins.

Foto: REUTERS/Dylan Martinez
Cardiff - 1876 war's und in Ruabon unweit von Wrexham, da gründete eine Gruppe von Geschäftsleuten die Football Association of Wales (F.A.W.). Sie wollten, dass ihre Landsleute tun, was Engländer und Schotten schon taten, nämlich in geordneter Bahn kicken. Im Jahr der Gründung des also drittältesten Verbandes der Welt fand in Glasgow das erste Länderspiel statt. Wales wurde bei seiner Premiere von Schottland 4:0 geputzt.

Die Begabten

1902 wurde die Welsh Football League gegründet, doch viele walisische Teams wirkten in englischen Ligen mit, um auf höherem Niveau zu kicken. Das geht heutzutage nicht mehr, aber dafür zieht es die begabteren walisischen Kicker zu englischen Klubs. Wie den derzeit Besten, den 49fachen Internationalen Ryan Giggs, der für Manchester United stürmt. John Toshack, der Teamchef, arbeitete früher als Spieler bei Liverpool, schoss in mehr als 200 Partien 95 Tore, errang drei Meistertitel, einmal den FA-Cup und einmal den UEFA-Cup, 1990 führte er als Trainer Real Madrid zum Titel.

Zweimal bei einem Großereignis

Wales konnte sich in seiner langen Geschichte erst zweimal für ein Großereignis qualifizieren. Die WM 1958 in Schweden schmückte es aber nur, weil sich Ägypten und Sudan weigerten, in der Asien-Afrika-Quali gegen Israel anzutreten. Wales wurde durch das Los auserkoren, als europäischer Gruppenzweiter gegen Israel zum Stechen anzutreten, und siegte. Bei der Endrunde erreichten die so genannten Red Dragons mit ihrem Star John Charles, Stürmer bei Juventus Turin, sensationell das Viertelfinale. Dort scheiterten sie am späteren Weltmeister Brasilien. Pelé, der sich damals anschickte, zum Weltwunder zu werden, schoss das einzige Tor des Spiels. Bei der EM-Qualifikation 1976 setzte sich Wales gegen Ungarn, Österreich und Luxemburg durch, bei der Endrunde war dann wieder im Viertelfinale Endstation.

Die zweite Geige

Der Fußball spielt im walisischen Sport bestenfalls die zweite Geige. Rugby ist die unangefochtene Nummer eins. Am vergangenen Samstag gewann Wales das Sechs-Nationen-Turnier, an dem sich noch England, Schottland, Irland, Frankreich und Italien zu beteiligen pflegen, und stand quasi Kopf.

In der aktuellen Fußball-Weltrangliste rangiert Wales auf dem 71. Platz. Der künftige Länderspielgegner Österreich ist 80. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 24. März 2005, bez, APA)