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Foto: Archiv
Eins kann bei Interviews mit Miguel de Icaza, Leiter des Mono -Projekts bei Novell und GNOME -Gründer, nie passieren: Dass der Interviewer vorher schon weiß, welche Antworten er auf seine Fragen bekommen wird. Viel zu gern erzählt de Icaza über seine Projekte und Ideen, die Begeisterung ist ihm dabei deutlich ins Gesicht geschrieben. So kam es auch im Rahmen der Novell- Hausmesse Brainshare , die derzeit in Salt Lake City stattfindet, zu einem Gespräch mit dem WebStandard, dass zahlreiche Themengebiete erfasste, von Mono und seiner Zukunft, bis zu politischen Ansichten spannte sich dabei der Bogen.

Mono

Die nächste Version der freien .Net-Alternative Mono soll Mitte des Jahres erhältlich sein. Die Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan - Mono 1.2 sollte ursprünglich bereits im Dezember erscheinen - ist dadurch zu erklären, dass man momentan noch darauf wartet, dass die Window.Forms-Implementation fertig wird, ohne diese will man Mono 1.2 nicht veröffentlichen. Der Rest des Framworks ist allerdings bereits als stabil anzusehen, deswegen empfiehlt de Icaza schon jetzt den Umstieg auf die aktuellen Entwicklerversionen. Diese seien deutlich schneller, stabiler und weniger speicherintensiv als die 1.0.x.-Reihe. Das Warten auf Windows.Forms bedeutet aber nicht, dass es auch Verspätungen in der Roadmap von Mono 2.0 geben wird, dessen Entwicklung geht parallel zur Version 1.2 in anderen Development-Zweigen ungebremst voran.

Windows

Momentan keine besondere Bedeutung für de Icaza hat die Windows-Version von Mono, da auf dieser Plattform ja bereits .Net vorhanden ist, wichtig sei für ihn vor allem, ein Tool zu schaffen, mit dem .Net-Anwendungen ohne Aufwand auch auf Linux und anderen Plattformen - neben Mac OS X soll es in wenigen Monaten auch eine Version für Novells eigenes OS Netware geben - eingesetzt werden können. Allgemein seien Umsetzungen freier Softwareprojekte auf Windows aber wichtig, weil sie neue EntwicklerInnen anziehen würden, von deren Änderungen dann alle Plattformen profitieren, ist de Icaza überzeugt. Windows sei schlicht die verbreitetste Plattform, diesen Umstand zu ignorieren, wäre elitär, und schließlich würde es allen nützen, wenn freie Software ihre Verbreitung auch unter Windows findet.

Populär

Überrascht zeigt sich de Icaza davon wie schnell Mono / GTK# in den letzten Monaten an Popularität gewonnen habe, dies habe er so nicht erwartet. Dadurch zeige sich aber, welchen starken Bedarf es gerade unter GNOME gibt, eine High-Level Sprache wie C# zur Verfügung zu haben. Damit ließen sich Anwendungen einfach wesentlich schneller als mit dem klassischen C entwickeln, wodurch auch die Schwelle für neue EntwicklerInnen gesenkt würde.

Das Leben ist zu kurz...

Natürlich gebe es auch weiterhin bestimmte Bereiche in denen C-Programmierung ihren Sinn macht - zum Beispiel in der Treiberentwicklung und beim High-Performance-Computing - aber heutzutage sei es für die meisten Anwendungen schlicht Zeitverschwendung noch immer C zu verwenden, der Umstieg auf Higher Level Languages hätte schon wesentlich früher passieren sollen, das Leben sei einfach zu kurz, um C zu debuggen, fasst de Icaza pointiert zusammen.

KDE

Die Ursache dafür, dass Mono momentan vor allem ein "GNOME-Ding" sei, während es kaum Interesse aus dem KDE-Lager gebe, sieht er darin, dass für dieses der Fortschritt nicht so groß sei, da mit C++ bereits eine wesentlich komfortablere Programmierbasis existiert als unter GNOME mit C, C++ sei für viele EntwicklerInnen einfach "gut genug". Andererseits unternehme man selbst aber auch kaum Anstrengungen in die Verbesserung der QT-Bindings - und damit der KDE-Anbindung - da kommerzielle Softwareentwicklung unter QT nicht kostenlos sei, insofern sei GTK+ in dieser Hinsicht einfach attraktiver. Es sei KundInnen einfach nur schwer klar zu machen, dass Linux kostenlos sei, außer wenn sie kommerzielle Entwicklungen vornehmen wollen.

Schlankheitskur

Angesprochen auf die aktuellen Diskussionen über die Reduzierung des Ressourcenverbrauch unter GNOME, und ob da Mono als High Level Language da nicht "Verschwendung" sei, weist de Icaza darauf hin, dass diese Diskussion ursprünglich vom Mono-Projekt losgetreten worden sei. Man habe in den letzten Monaten selbst zahlreiche Optimierungen vorgenommen, so dass man mittlerweile bereits weniger Speicherverbrauch als z.B. Perl oder Python habe. An einem gewissen Punkt sei man allerdings an Grenzen gestoßen, so habe man z.B. die Größe des Dokumentations-Browsers Monodoc nicht mehr reduzieren können. Schließlich habe sich herausgestellt, dass GTK+ und die GNOME Libraries die Schuldtragenden seien, deswegen habe sich Novell-Entwickler Ben Maurer auf die Suche nach möglichen Optimierungen begeben. Die Probleme mit Ressourcenverbrauch seien jedenfalls nicht mehr bei Mono zu suchen, selbst sei man mittlerweile bereits ziemlich "schmal".

Abseits

Bei all dem Focus rund um Mono, bleibt für de Icaza natürlich wenig Zeit für andere Dinge, ab und zu liefert er auch mal Patches für andere Projekte wie die Bildverarbeitung F-Spot oder schreibt kleine Mono-Tools, ein größeres Projekt will er sich derzeit aber nicht noch zusätzlich antun, es gebe schon jetzt genügend tote Projekte auf Seiten wie Sourceforge.

Kommentare

Lieber widmet er sich in seiner Freizeit, nicht Computer-bezogenen Tätigkeiten, dazu gehört es auch ab und an mal politische und soziale Themen in seinem Weblog aufzugreifen, ein Umstand, der ihm auch immer wieder mal unfreundliche Mails einbringt. Trotzdem sei ihm gerade dies Mischung wichtig, schließlich sieht er freie Software auch als kleinen Teil einer Bewegung für eine "andere Welt". De Icaza gibt sich dabei aber keinerlei Illusionen hin, man müsse realistisch sehen, dass freie Software nur bei einigen speziellen Problemen helfen könne, für alles andere seien die Probleme auf der Welt einfach viel zu groß, so der Mono-Chefentwickler. (apo)