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Junge Christen beten und demonstrieren seit Tagen vor dem U.S. Supreme Court für das Weiterleben von Terri Schiavo

Foto: AP/ GERALD HERBERT
Washington - Nach mehr als acht Tagen ohne Flüssigkeit und Nahrung rückt der Tod der amerikanischen Koma-Patientin Terri Schiavo immer näher. Die Eltern Bob und Mary Schindler gaben dem Kampf um ihre Tochter trotz einer Serie von Gerichtsniederlagen aber nicht auf. Ihre Hoffnungen konzentrierten sich auf Bezirksrichter George Greer in Florida, an den sie tags zuvor einen neuen verzweifelten Appell gerichtet hatten.

Terri Schiavo, die nach dem Urteil zahlreicher Gutachter seit 15 Jahren ohne Bewusstsein ist, habe versucht, die Worte "Ich will leben" zu formulieren, heißt es in dem Antrag der Eltern auf Wiederanschluss des Ernährungsschlauches. Dies hätten mehrere Zeugen beobachtet, als am Freitag vor einer Woche die Ernährung der Frau auf Antrag des Ehemanns Michael Schiavo eingestellt wurde. Diese dramatische Verbesserung ihres Zustands müsse erneut untersucht werden, fordern die Eltern.

"Unvorstellbar"

"Es ist unvorstellbar, dass die Schindlers, die dem Gericht stets jede auch noch so absurde Einzelheit zur Beurteilung vorgelegt haben, nun angebliche Beweise haben, dass Frau Schiavo spricht", sagte der Anwalt des Ehemanns, George Felos, am Freitagabend in der telefonischen Anhörung vor Richter Greer. Rechtsexperten räumen den Eltern praktisch keine Chancen auf Erfolg ein. Greer betreut den Fall seit sieben Jahren und hat stets zu Gunsten des Ehemanns entschieden. Greer stellte eine Entscheidung bis Samstag 18.00 Uhr MEZ in Aussicht. Gegen die Entscheidung könnten die Eltern vor dem nächsthöheren Gericht erneut Widerspruch einlegen.

"Wir haben ihr gesagt, dass wir immer noch kämpfen, dass sie nicht aufgeben soll, weil wir auch nicht aufgeben", sagte ihr Vater am Freitagabend. Wenn Schiavo weiter ohne Flüssigkeit und Nahrung bleibt, rechnen Ärzte mit ihrem Tod in den nächsten Tagen. Während Terri Schiavo nach Angaben von Anwalt Felos und Verwandten des Ehemanns friedlich im Bett liegt, betonen die Schindlers Anzeichen des Verhungerns bei ihrer Tochter. Ihre Zunge sei dick und die Augen tief eingefallen.

Vor dem Hospiz, in dem Terri Schiavo seit fünf Jahren lebt, versammelten sich wieder zahlreiche Demonstranten, die auf Plakaten eine Lebenschance für Schiavo verlangen. Die Stimmung war am Samstag nach Angaben von Reportern aber wenig optimistisch. Am Freitag hatten wieder mehrere Menschen versucht, mit Plastikbechern voll Wasser in der Hand auf das Gelände vorzudringen. Sie überschritten absichtlich eine von der Polizei gezogene Linie und ließen sich festnehmen. Darunter war der zehnjährige Joshua Helbreth aus North Carolina, der seinen Vater nach dessen Angaben gebeten hatte, ihn die rund 1.000 Kilometer nach Clearwater zu fahren.

"Das ist gut, mein Sohn wird hier ein Mann", sagte der Vater. "Ich bin stolz, solche Kinder gibt es nur in Amerika." Franziskanerpater Paul O'Donnell drängte Gouverneur Jeb Bush, den Bruder von US-Präsident George W. Bush, am Samstag erneut, irgendwie einzugreifen. "Keine Mutter sollte verdammt sein zuzusehen, wie ihre Tochter verhungert", sagte er vor dem Hospiz.

Die zerstrittene Familie von Schiavo wachte abwechselnd am Bett der Kranken. Während die Eltern vor und nach den Besuchen bei ihrer Tochter am Eingang der Klinik vor zahlreichen Fernsehkameras regelmäßig Appelle an die Öffentlichkeit richten, benutzt Ehemann Michael Schiavo stets einen Hintereingang. Er spricht seit mehr als zehn Jahren nicht mehr mit seinen Schwiegereltern. Die Besuche werden von den Krankenschwestern so koordiniert, dass sie sich nicht begegnen.

Der Ehemann ist der Vormund und kann weitgehend bestimmen, wer wann zu seiner Frau darf. Die Eltern werfen Schiavo vor, ihre Tochter seit Jahren zu vernachlässigen und Therapie zu verweigern, mit der sich ihr Zustand markant bessern würde. Der Ehemann sieht dafür wie die große Mehrheit der Gutachter keine Chance und sagt, seine Frau habe früher gesagt, sie wolle in einem solchen Zustand nicht am Leben gehalten werden. (APA/dpa)