Kassel - Miniatursärge stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur (Totenkult). Von 25. März bis 29. Mai werden unter dem Titel "Vergänglichkeit für die Westentasche" rund 70 der zum Teil nur wenige Zentimeter langen Särge mit oft gruselig nachgebildeten Leichnamen gezeigt. Zweck der meist im 18. und 19. Jahrhundert im Alpenraum entstandenen "Betrachtungssärglein" war es, den Menschen an seine Sterblichkeit zu erinnern. Die mit viel Liebe zum Detail angefertigten Särge dienten aber auch als Schmuckstück, Schnupftabak- und Spardose oder zur Aufbewahrung von Schreibwerkzeug.

In den aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz zusammengetragenen Särgen liegen "Tödlein": aus Elfenbein, Wachs oder Holz geformte Nachbildungen von Toten. An manchen von ihnen nagen Maden, Ratten oder Schlangen. "Bis heute ist nicht geklärt, wie man sich die Nutzung dieser Särglein vorstellen soll", sagte Museumsleiter Reiner Sörries am Mittwoch. Über den Umgang mit den morbiden Gegenständen sei kaum etwas bekannt. Kunstvoll gefertigte Exemplare wurden unter anderem in klösterlichen Schatzkammern gefunden.

Die auch "Tischsargl" oder "Mementosargl" genannten Miniaturen trugen zusätzlich eindringliche Inschriften: "Schön war ich in dem Leben, doch jetzt ist alles hin, drumb Mensch nach Gott thu streben (...)", heißt es etwa in einem bayerischen Exemplar aus dem frühen 18. Jahrhundert. "Seid gegrüßt ihr Würmer: ich liege da, ich bin einmal Erde gewesen, jetzt bin ich wiederum Erde: adieu meine Knochen (...)", steht in einem Modell aus der Domschatzkammer Paderborn. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. (APA/dpa)