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Foto: APA/Heinz Jaksch
West Lafayette - Wissenschaftler der University of Purdue in West Lafayette/Indiana haben mit Erstaunen festgestellt, dass die Mendelsche Vererbungslehre nicht immer und überall zutrifft: die Ackerschmalwand etwa trotzt dieser Theorie. Wenn die genetische Ausstattung der Eltern der Pflanze keine Vorteile bringt, wird einfach auf jene Gene zurückgegriffen, die von den Großeltern stammen, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature".

Das Forscherteam um Robert Pruitt hat eine besonderen Stamm der Pflanzen untersucht, die an einer genetischen Mutation litten: Teile der Blüten waren miteinander verwachsen. Bei den Pflanzen waren beide Kopien der Gene von dieser erblichen Mutation betroffen. Nach der Lehre von Mendel, die Mitte des 19. Jahrhunderts publiziert wurde und heute noch an allen Schulen gelehrt wird, müssten alle Nachkommen diesen Gendefekt aufweisen. Tatsächlich waren aber zehn Prozent der Nachkommen völlig normal. "Vererbung ist wesentlich flexibler als wir uns das vorstellen", so Pruitt. "Mendels Lehre ist immer noch korrekt, aber eben nicht absolut", erklärt der Forscher.

Das Wissenschaftsteam untersuchte daraufhin die gesunden Nachkommen und stellte fest, dass sie mindestens eine mutierte Gensequenz verändert und durch Sequenzen von gesunden früheren Generationen ersetzt hatten. Offensichtlich betraf dies aber auch andere Gene. Die Erklärung für diese Reaktion liegt wahrscheinlich darin, dass damit schwierige Bedingungen wie Dürre oder ähnliche Stresssituationen überlebt werden können. Unklar ist den Forschern, ob eine solche trickreiche Vererbung, die sozusagen genetische Mängel ausbügeln kann, auch bei Tieren existiert. (pte)