Bischkek - Die neue kirgisische Führung hat in der Nacht zum Samstag auf den Straßen der Hauptstadt Bischkek Ruhe und Ordnung wiederhergestellt. Zahlreiche Polizeikräfte waren unterwegs, um Plünderer und Randalierer zu stoppen. Anders als in der Nacht zuvor gab es gegen Morgen nur noch wenig Anzeichen dafür, dass Geschäfte ausgeraubt wurden. Allerdings waren noch immer gelegentlich Schüsse zu hören und über einem geplünderten Einkaufszentrum hingen Rauchschwaden.

Der neue Innenminister Felix Kulow sagte, Polizeipatrouillen würden eingesetzt, um die Lage vollends unter Kontrolle zu bringen. Nach tagelangen, teils gewalttätigen Protesten hatte die Opposition am Donnerstag die Macht in der zentralasiatischen Republik übernommen und am Freitag für Juni Neuwahlen angekündigt.

"Orgie der Plünderung"

Dem staatlichen Fernsehen zufolge wurde bei den Ausschreitungen in der Nacht auf Freitag mindestens zwei Menschen getötet und 360 weitere verletzt. Die Oppositionsführer zeigten sich vom Ausmaß der Gewalt geschockt. "Gott behüte, dass jemand so eine Revolution erlebt", sagte Kulow. "Es war eine Orgie der Plünderung, genau wie im Irak."

Kirgisien ist nach Georgien und der Ukraine die dritte ehemalige Sowjet-Republik in zwei Jahren, deren Führung durch einen Aufstand vertrieben wurde. Jedoch hat nur Kirgisien größere Gewaltakte erlebt und praktisch umgehend die Unterstützung Russlands erhalten. Im Gegensatz zu den anderen beiden Staaten zeigt die Opposition in Kirgisien keine Neigung, sich mehr zum Westen hin zu orientieren.

Kirgisien ist ein weitgehend moslemisches Land mit fünf Millionen Einwohnern. Es grenzt an Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan sowie im Osten an China. Wegen seiner Nähe zu Afghanistan haben die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus bei Bischkek einen Truppenstützpunkt eröffnet. Auch Russland hat in Kirgisien im Rahmen des Bündnisses für Kollektive Sicherheit der GUS-Staaten Truppen für den Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität stationiert. Die USA und Russland konkurrieren zudem um den Zugang zu den reichen Energievorräten der Region. (APA/Reuters)