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Papst Johannes Paul II. machte einen sehr angeschlagenen Eindruck, als er per Handgeste den Ostersegen erteilte.

Foto: AP/Pier Paolo Cito
Rom - Der Heilige Vater hat am Ende der Ostermesse einen stummen Segen "Urbi et Orbi" erteilt, der Sorge und Beklemmung in der ganzen Welt ausgelöst hat. Johannes Paul II. zeigte sich Sonntag Mittag am Fenster seines Appartements. Schwer atmend versuchte er, einen Gruß an die Tausenden auf dem Petersplatz versammelten Pilger zu richten. Nur ein tiefes Röcheln war jedoch zu vernehmen.

Das Leiden des stummen Papstes, der sich mit seinem Gesichtsausdruck fast für seine Sprachschwierigkeiten zu entschuldigen schien, löste bewegte Reaktionen aus. Auf dem Petersplatz brachen Dutzende von Pilgern vor den Anstrengungen des Heiligen Vaters in Tränen aus. Nach dem kurzen Segen des Papstes mit der Hand begann ein langer und beklommener Ablauf.

Der Papst-Segen am Ostersonntag war der Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten, die dieses Jahr von der schweren Krankheit des Kirchenoberhaupts getrübt wurden. Die Ostermesse wurde vom vatikanischen Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano zelebriert. In der Osterbotschaft plädierte der Papst für Frieden im Nahen Osten und in der ganzen Welt. "Großer Gott, lehr uns Gesten des Friedens. Schenke der Menschheit den Frieden, weil auf ihr die Gefahr verheerender Kriege lastet", hieß es in der Osterbotschaft.

Zum ersten Mal in seinem 26-jährigen Pontifikat konnte der Papst nicht an den Zeremonien der Osterwochen teilnehmen. Die Karfreitagsprozession verfolgte der Kirchenführer auf einem Bildschirm in seiner Privatkapelle. Vom Fernsehen wurde der Papst nur von hinten gezeigt. Die Hoffnung der Gläubigen, die auf einige Worte des Papstes gewartet hatten, blieb unerfüllt.

Nach den Osterfeiern wird jetzt in Rom über die weitere Entwicklung im Vatikan spekuliert. Das Machtvakuum wegen der langen Krankheit des Heiligen Vaters sorge für Unsicherheit, berichteten italienische Medien. Die laufenden Geschäfte des Vatikan werden von den vier einflussreichsten Kardinälen, sprich dem vatikanischen Staatssekretär Sodano, Kardinal Giovan Battista Re, dem Kurienvikar Camillo Ruini und dem deutschen Kardinal Josef Ratzinger, geführt. Die Besuche zum Papst werden strikt vom persönlichen Sekretär des Heiligen Vaters, dem polnischen Bischof Stanislaw Dziwisz, geregelt.

Der polnische Kardinal Zenon Grocholewski, juristischer Experte in der römischen Kurie, dementierte Medienberichte, wonach ein "polnischer Clan" unter der Leitung von Bischof Dziwisz den Vatikan regiere. "Diese Behauptung ist vollkommen unbegründet. Medien tendieren dafür für Sensation zu sorgen und dabei die Wahrheit aus dem Auge zu verlieren. Ich schließe eine gewisse Bosheit derjeniger nicht aus, die von einem polnischen Clan sprechen", sagte der Kardinal. (APA)