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Das Erdbeben vor Sumatra erreichte eine Stärke von 8,7 nach Richter

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Es war kurz nach 23 Uhr Ortszeit, als am Ostermontag in Banda Aceh erneut die Erde bebte und Häuser zum Erzittern brachte. Panisch verließen die Menschen ihre Wohnungen und ihre Notunterkünfte.

„Als das Beben vorüber war, kehrte eine seltsame Ruhe ein. Es war, als wüssten die Menschen ganz genau, was sie zu tun hatten“, berichtete eine Augenzeugin. „Sie rafften das Notwendigste zusammen und flohen weiter landeinwärts oder in höher gelegene Regionen.“

Die meisten Acehnesen und auch die meisten der mehr als 1000 Mitarbeiter von Hilfswerken, die sich noch immer in Aceh aufhalten, verbrachten – das Schlimmste fürchtend – den Rest der Nacht im Freien. Obwohl das Beben eine Stärke von 8,7 nach Richter hatte, blieb diesmal das Schlimmste, eben ein Tsunami, glücklicherweise aus.

Verwüstete Inseln

Trotzdem aber brachte das Beben mit seinem Epizentrum rund 200 Kilometer vor der Westküste Sumatras auf den Insel Nias und Simeulue Tod und Verwüstung. Diese beiden Inseln liegen vor der Westküste und nur etwa 50 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Vermutlich 2000 Menschen seien auf den beiden Inseln umgekommen (die meisten auf Nias), berichtete die indonesische Regierung am Dienstag.

Bis zum Abend wurden allein auf Nias mehr als 400 Leichen geborgen. Die hohe Opferzahl könnte nach ersten vorliegenden Meldungen damit zu tun haben, dass Gebäude, die das Beben vom 26. Dezember gerade noch überstanden hatten, diesem neuen Beben nicht mehr standhalten konnten. 80 Prozent der Gebäude in der größten Stadt der Insel, Gungungsitoli, sind zerstört oder schwer beschädigt worden. Rettungsteams aus Aceh wurden am Dienstag per Hubschrauber auf die betroffenen Inseln verlegt. Auf dem Rückweg transportieren die Hubschrauber Verletzte in verschiedene Spitäler auf dem Festland.

Rasche Warnungen

Das Erdbeben vom Montag wurde selbst in Thailand, Singapur und Malaysia verspürt und sorgte auch dort für Panik. Obwohl das Tsunami- Frühwarnsystem im indischen Ozean erst ab 2006 funktionstüchtig sein wird, zeigte das provisorisch installierte Warnsystem Wirkung: Minuten nach dem Beben erhielten alle gefährdeten Anrainerstaaten eine Tsunami-Warnung. Innerhalb von Minuten unterrichtete zum Beispiel der US-Botschafter in Colombo die sri-lankische Regierung über das Erdbeben. Daraufhin wurden Warnungen in Rundfunk und Fernsehen in singhalesischer und tamilischer Sprache ausgestrahlt. Die Bevölkerung in den küstennahen Gebieten Sri Lankas wurde zudem über Lautsprecher vor einem Tsunami gewarnt.

Gefahren bleiben

Armee und Polizei wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Auch die Befreiungstiger von Tamil Eelam ordneten in den von ihnen kontrollierten Gebieten die Evakuierung an. Ähnlich hatten auch die thailändische und die indische Regierung reagiert.

Aber überall konnte am frühen Dienstagmorgen wieder Entwarnung gegeben werden. Ein UN-Sprecher meinte, trotz des ausgebliebenen Tsunami beweise das jüngste Beben, dass diese Gegend nach wie vor äußerst gefährdet sei. Die Ereignisse vom Ostermontag hätten aber auch gezeigt, dass die Region jetzt besser auf eine solche Katastrophe vorbereitet sei. „Wir haben so etwas wie eine erfolgreiche Generalprobe hinter uns. Die Verantwortlichen und das Publikum haben eigentlich überall richtig reagiert“, meinte der UN-Sprecher. (Peter Isenegger, DER STANDARD Printausgabe, 30.03.2005)