London - Großbritanniens führender römisch katholischer Kardinal Cormac Murphy-O'Connor hat Abtreibungen mit der Euthanasie der NationalsozialistInnen verglichen. In einem am Wochenende veröffentlichten Beitrag für den "Sunday Telegraph" kritisierte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in England und Wales gleichermaßen Abtreibungen, Euthanasie und Forschung an Embryonen.

"In all diesen Fällen lautet die schreckliche Wahrheit, dass es die Stärkeren sind, die über das Schicksal der Schwächeren entscheiden", schrieb Murphy-O'Connor. "Menschliche Wesen werden zu Werkzeugen anderer menschlicher Wesen. So ist es auch mit der Euthanasie. Und wir wissen aus der deutschen Geschichte, wohin das führt." Erst kürzlich hatte Papst Johannes Paul II in seinem Buch "Erinnerung und Identität" die Abtreibung als "legale Vernichtung" bezeichnet und damit weltweit Kritik ausgelöst.

Kritik

Großbritannien sei schon auf dem Weg dorthin, mahnte der Kardinal und verwies dabei auf sechs Millionen Abtreibungen seit Einführung des britischen Abtreibungsgesetzes im Jahr 1967. Die NationalsozialistInnen in Deutschland hatten während des Holocaust ebenfalls rund sechs Millionen Juden und Jüdinnen getötet. VertreterInnen britischer Juden und Jüdinnen kritisierten daher den offensichtlichen Vergleich des Kardinals. "Es ist in gewisser Weise unredlich, dass er das Bild der sechs Millionen heraufbeschwört", sagte ein Sprecher der Reform-Synagogen Großbritanniens der Zeitung.

Der Beitrag Murphy-O'Connors gilt als weiterer Versuch, das Abtreibungsrecht zu einem wichtigen Thema im britischen Wahlkampf zu machen. Die oppositionellen Konservativen haben bereits in Aussicht gestellt, eine Herabsetzung der Fristen für Abtreibungen zu erwägen. Derzeit ist dies in Großbritannien bis zur 24. Schwangerschaftswoche möglich. (APA/Reuters)