Wien - Keine Sekunde brauchte der Teamchef nach eigenem Bekunden, um den geringfügigen Umbau seiner Startformation gegenüber dem Auswärtsspiel in Wales im Kopf zu bewerkstelligen. Eine Änderung für das Heimspiel (Mittwoch, 20:30 Uhr) - Martin Stranzl wegen Emanuel Pogatetz' Sperre zurück in die Abwehr, dafür der nicht mehr gesperrte Dietmar Kühbauer im Mittelfeld - lag auf der Hand.

Eine zweite mögliche Umstellung hat Krankls graue Zellen sicher mehr beansprucht. Ivica Vastic dürfte diesmal beginnen, mit wem als Sturmpartner, war die Frage. "Er hat sich den neuerlichen Einsatz jedenfalls verdient", sagte Krankl über Christian Mayrleb. Aber das gilt auch für Mario Haas, ja für alle, die in Cardiff mitgeholfen haben, den 2:0-Sieg zu erringen.

Kollege John Toshack wird auch umstellen, er tut es angesichts der walisischen Leistung im Millennium Stadium leichteren Herzens. Wer raus bzw. rein muss, verriet natürlich auch er nicht, keinen Zweifel gibt es freilich an Ryan Giggs, der in Wien "voller Stolz" zum 51. Mal den Kapitän der Waliser gibt und als solcher auch neuen Optimismus zu verbreiten suchte.

Der weltgewandte Star von Manchester United hat natürlich auch die Plattitüde auf Lager, wonach ein zweites Spiel gegen den selben Gegner innerhalb weniger Tage eine wunderbare Gelegenheit biete, erlittene Scharten flott wieder auszuwetzen. "Wir haben am Samstag bei aller Enttäuschung gesehen, wie diese Österreicher zu schlagen sind."

Das klingt eher nicht nach diesmal defensiver eingestellten Gästen, und auch Stranzl meint, dass Wales eigentlich nicht die richtigen Spieler dafür hat. Ruhige, überlegte Angriffe der Österreicher haben schon am Samstag gereicht, um Toshacks Viererkette flugs in ihre dann hilflosen Glieder zu zerlegen. Ein defensives Mittelfeld war praktisch nicht vorhanden. Gewiss wird Wales versuchen, zu kontern. Fraglich ist, ob Flakturm John Hartson als Anspielstation für hohe Passes zur Verfügung steht, ein Knöchel schmerzt.

Was auch kommt

Bezüglich der Quali-Aussichten hat sich nichts geändert, auch für Krankl: "Das WM-Ticket ist nicht realistisch, aber wir kämpfen darum", sagte er gestern. Das nächste Spiel, auch eine gerne gepflegte Redewendung, sei das wichtigste, "aber auch das müssen wir erst gewinnen."

Er selbst sei wiederum überhaupt nicht wichtig, weshalb er jedem Ausgang gelassen entgegensehe. Außerdem habe er ja schon viel erreicht, "weil ich bin der erste Trainer, der die Nationalmannschaft zu einer EM führt." Der Zuschlag für die EURO 2008 sei schließlich während seiner Amtszeit erfolgt, so Krankl, natürlich im Scherz. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.3. 2005)