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In Nias ist es schwer sich auf den Straßen fortzubewegen - für größere Hilfslieferungen müssen die Straßen erst geräumt werden

Foto: APA/ SuzannePlunkett
Nias/New York/Brüssel/Washington - Zwei Tage nach dem jüngsten Seebeben im Indischen Ozean haben die Menschen auf den am stärksten betroffenen Inseln am Mittwoch weiter nach Überlebenden in den Trümmern eingestürzter Häusern gesucht. Jüngsten Schätzungen zufolge kamen bei dem Beben bis zu 2.000 Menschen ums Leben.

Trinkwasser und Lebensmittel sind kaum vorhanden. Tausende sind nach Angaben von Helfern ohne Trinkwasser. Straßen und Stromleitungen sind beschädigt.

Gunungsitoli, die größte Stadt Nias weitgehend zerstört

Die meisten Toten wurden auf der am schwersten getroffenen Surferinsel Nias gezählt. Aber auch auf den nördlicher gelegenen Banjak-Inseln kamen 200 bis 300 Menschen um Leben. Wie viele Opfer noch unter den Trümmern begraben sind, war am Mittwoch unklar. Gunungsitoli, die größte Stadt Nias mit rund 30.000 Einwohnern, ist weitgehend zerstört.

Keine Nahrung und schleppende Rettungsarbeiten

Nachdem die Rettungsarbeiten wegen schlechten Wetters und fehlenden Treibstoffs nur schleppend vorankamen, versuchten sich hungrige Überlebenden selbst zu helfen. Sie stürmten ein mit Reis gefülltes Vorratslager. "Bitte helfen Sie uns, wir verhungern", flehte ein Mann in Gunungistoli, als Dutzende die Lager der Regierung stürmten. Die Polizei sah dem Treiben hilflos zu und ließ die Menge schließlich gewähren. Durch das Beben sind die meisten Geschäfte zerstört und die Lebensmittelversorgung unterbrochen. Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes und Roten Halbmonds sollten noch am Mittwoch Hilfslieferungen die Inseln erreichen.

Schwer in Gebiete vorzudringen

UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte groß angelegte Hilfe für die Betroffenen zu. Der Sprecher des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF, John Budd, betonte: "Das Problem ist, überhaupt in das Katastrophengebiet zu gelangen."

Maschinen zur Räumung der Trümmer fehlen

Nach Angaben der Behörden von Nias wurde die Bergung von Verletzten und möglichen Überlebenden dadurch erschwert, dass Maschinen zur Räumung der Trümmer fehlten.

Rettung nach 40 Stunden

Französische Feuerwehrleute konnten einen Mann bergen, der rund 40 Stunden ohne Essen und Trinken unter einer Betonplatte ausgeharrt hatte. "Ich habe gerufen bis meine Stimme versagte. Immer wenn ich Leute hörte, rief ich nach Hilfe", sagte der 32-jährige Jansen Silahi nach seiner Rettung. Jetzt sei er erleichtert und fühle sich sicher. Seine Beine konnte er nach eigenen Angaben allerdings nicht spüren. Andere Familien suchten auf eigene Faust nach verschütteten Hinterbliebenen und gruben sich mit Schaufeln und Brecheisen durch die Betonberge.

Beben hatte eine Stärke von 8,7

Das Beben vom Montag hatte eine Stärke von 8,7 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag nur rund 160 Kilometer vom Zentrum des Bebens vom Dezember. Damals hatten die Erdstöße mit einer Stärke von 9,0 gewaltige Flutwellen ausgelöst, die über die Küsten mehrerer Länder hereinbrachen und fast 300.000 Menschen in den Tod rissen. Diesmal blieben die gefürchteten Tsunamis jedoch aus. (APA/Reuters/AP/dpa)