Moskau - Zum Schutz bedrohter Grauwale verzichtet ein Ölkonsortium auf den ursprünglich geplanten Verlauf einer Pipeline vor der russischen Insel Sachalin. Nach Protesten von Umweltschützern entschied das Konsortium Sakhalin Energy, die Pipeline um den Nahrungsraum der letzten rund 100 Westpazifischen Grauwale herum zu bauen. Umweltorganisationen begrüßten die Entscheidung am Donnerstag, wie die russische Agentur Interfax meldete.

Nach Unternehmensangaben war der Bau der Pipeline im April 2004 auf Grund der Warnungen von Umweltschützern vorübergehend gestoppt worden. Russische Ökologen der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) bezeichneten die Änderung der Baupläne als halbe Lösung, weil auch die Bohrinsel selbst an eine andere Stelle verlegt werden müsse. Auch der Lärm durch Ölbohrungen und Sprengungen für den Bau neuer Anlagen mache den Walen zu schaffen. Außerdem könnten die Tiere während der Bauarbeiten bei Zusammenstößen mit Schiffen getötet werden. Sakhalin Energy argumentierte dagegen, die Bohrinsel sei mit sieben Kilometern weit genug vom Nahrungsraum der Grauwale entfernt.

Studie

Eine vom Ölkonsortium selbst in Auftrag gegebene Studie von Walforschern der Weltnaturschutzunion IUCN hatte ergeben, dass Lärm und Ölverschmutzung die Grauwalpopulation gefährden würden. Mit der Verlegung der Pipeline werde nun die Konsequenz aus der Studie gezogen, teilte der Shell-Konzern mit, der an Sakhalin Energy maßgeblich beteiligt ist.

Vor Sachalin im Osten Russlands lagern bedeutende Öl- und Gasvorkommen, die seit Ende der 1990er Jahre erschlossen werden. Das Konsortium, zu dem die Konzerne Royal Dutch/Shell, Mitsui und Mitsubishi gehören, erschließt die Felder Piltun-Astochskoje und Lunskoje mit förderbaren Vorräten von geschätzt 150 Millionen Tonnen Öl und 500 Milliarden Kubikmeter Gas.

Westpazifische Grauwale

Die Westpazifischen Grauwale sind nach Angaben des WWF einer der am stärksten bedrohten Walbestände der Weltmeere. Unter den schätzungsweise 100 verbliebenen Tieren lebten nur noch 23 fortpflanzungsfähige Weibchen, hieß es. Die bis zu 35 Tonnen schweren und 14 Meter langen Tiere halten sich in den Sommermonaten in der Piltun-Bucht im Norden von Sachalin auf. Nach WWF-Angaben werden seit 1999 vermehrt abgemagerte Tiere registriert. Auch die Fortpflanzung der Wale leide unter den Störungen. Die Umweltstiftung fordert ein Schutzgebiet rund um die Bucht. (APA/dpa)