Rabat/Madrid - Unter dem harten Regime von König Hassan II. hatte in Marokko der islamische Fundamentalismus kaum eine Chance. Dies scheint sich nun zu ändern, seit der junge Herrscher Mohammed VI. im Juli 1999 nach dem Tod seines Vaters den Thron bestieg. Die IslamistInnen sind in dem nordafrikanischen Land auf dem Vormarsch. Das klarste Anzeichen dafür war die Kundgebung von etwa 500.000 bärtigen Männern und verschleierten Frauen in Casablanca, die kürzlich unter dem Ruf "Allahu akbar" durch die Straßen zogen und gegen die Reformprojekte des Königs protestierten. Einen solchen Aufmarsch von IslamistInnen hatte es seit dem Golfkrieg 1991 nicht mehr gegeben. Dabei hatte der 36-jährige Mohammed VI. gleich nach der Thronbesteigung die Herzen der Marokkaner im Sturm erobert. Kluft zwischen Tradition und Moderne Aber nun steht der "König der Armen", wie er in der Presse genannt wird, vor einem schwierigen Problem. Seine Pläne, die Stellung der Frauen zu verbessern, vertiefen die Kluft zwischen Tradition und Moderne und teilen die MarokkanerInnen in zwei Lager. Auf der einen Seite stehen die linken und pro-westlichen Kräfte, die für die Reform sind. Auf der anderen Seite lehnen die IslamistInnen das Vorhaben strikt ab. Sie sehen darin ein "Produkt des Westens" und einen Verstoß gegen die Vorschriften des Korans. Die Reform sieht vor, dass die Mehrehe offiziell abgeschafft, das Heiratsalter für Mädchen von 15 auf 18 Jahren heraufgesetzt, den Frauen die Scheidung erleichtert und das Erbrecht verbessert wird. Die Stellung der Frau ist in dem Land, dessen 27 Millionen EinwohnerInnen zu mehr als 90 Prozent Moslems sind, ziemlich widersprüchlich. In der Wirtschaft spielen Frauen als erfolgreiche Firmenchefinnen eine relativ wichtige Rolle, in der Politik treten sie kaum in Erscheinung. In der mehr als 40 Mitglieder umfassenden Regierung sind zwei Frauen als Staatssekretärinnen vertreten. Im Parlament sind nur vier der über 600 Abgeordneten weiblich. (dpa)