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Das Aufbauspiel der Deutschen beruhte sowohl auf den Flügeln als auch im Zentrum auf robusten Dreiecken, die in einen dauerhaften Belagerungszustand des argentinischen Strafraums in Form einer horizontalen Doppelkette mündeten. Die Argentinier wiederum stellten vor allem in der ersten Hälfte ihr Vermögen unter Beweis, mit vertikaler Vehemenz in die auf gegnerischer Seite nervositätsbedingt aufklaffenden Lücken einzudringen.

Diesbezüglich erwiesen sich zunächst vor allem Lavezzi mit seinen klugen Tempodribblings und ein im Vergleich zum bisherigen Turnier auffallend spielverschleppungsresistenter Messi als potenzielle Gefahrenherde. Auch der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Agüero gab zumindest punktuell den wendigen Lausbuben im zuweilen etwas hüftsteif anmutenden Beindickicht der deutschen Innenverteidigung. In der Zentrale agierte Mascherano wohl kräfteverschleißbedingt zurückhaltender als im Halbfinale gegen die Niederlande. Die sich dadurch auftuenden Löcher wurden aber von seinem Kollegen Biglia meist vorbildlich gestopft.

Weil es die Argentinier jedoch verabsäumten, aus den Fehlern der Deutschen zählbares Kapital zu schlagen, zog sich der Ring um die von Tormann Romero wieder glänzend verteidigte Festung mit Fortdauer der Begegnung immer dichter zusammen. Die Deutschen profitierten in der beileibe nicht souveränsten Vorstellung bei dieser WM schließlich auch von ihrer nur mit den Spaniern zu deren Glanzzeiten vergleichbaren Eingespieltheit. Die Performance des Teams markiert derzeit zweifellos den Zenit einer über viele Jahre währenden Entwicklung, deren Basis eine Mischung aus Konzentration (FC Bayern), Akribie (exakte Vorbereitung, diesmal auch der Standards!) und einer wissenschaftlich begleiteten Gegnerbeobachtung bildet. In diesem Sinn haben die Deutschen beste Karten, ihre so sang- und klanglos untergegangenen Vorgänger aus Spanien in puncto Weltfußballdominanz bis auf Weiteres zu beerben. (Helmut Neundlinger, Umsetzung für derStandard.at: Florian Gossy, Markus Hametner, 14.7.2014)