Bereit für die Premium-Liga, möchte man da fast sagen: Dieser Opel ist womöglich der beste Opel aller Zeiten. Tolles Auto. Großes Auto. Alles dran, (fast) alles drin, was an Segnungen der Technik heute verfügbar ist.

foto: der standard/stockinger

Country Tourer steht drauf, und das ist neu: Seit der Insignia-Modellpflege ergänzt diese modische Variante die bisherigen des Flaggschiffs. Das lag schon in der Luft, seit der direkteste aller Konkurrenten, VWs Passat, mit dem Alltrack die konzerninterne Vorlage von Audi (Allroad) aufgegriffen hat. Nun hat also auch Opel so ein optisch rustikalisiertes Mittelding zwischen Kombi und SUV.

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Schwarze Radblenden, Seitenbeplankung und angedeuteter Unterbodenschutz sind die äußeren Insignien dieses Landlustgeräts, 13 mm mehr Bodenfreiheit und Allrad die technischen. Wobei 4x4 hier Haldex heißt, der Schweden bewährtes, auch bei VW (und anderen) beliebtes System. Macht den Country Tourer schotter- und waldwegeinsatzfähig, nicht viel mehr, nicht viel weniger, genau wie bei der Konkurrenz.

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Es handelt sich um ein richtig großes Auto, 4,92 m lang. 540 bis 1530 Liter fasst der Kofferraum, trotz coupéartig abfallender Dachlinie. Wegen dieser sollte man aber gut auf sein Haupt achten. Der ungeduldige Tester holte sich durch Kollision mit der Heckklappe (öffnet und schließt automatisch, allerdings ein wenig - wie sagt man: entschleunigt) schon mal ein Cut; selber schuld, eh klar.

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Innen geht es richtig nobel zu, feines, hellgrau abgenähtes schwarzes Leder, lediglich weiter unten, wo der Blick nicht ständig weilt, werden die Kunststoffe billiger. Man sieht sie förmlich vor sich, die Groscherlzähler aus Detroit, die den Rüsselsheimern nach der Lederorgie auf die Finger klopften. Großes, bequemes Gestühl macht den Country Tourer ebenso zum Langstreckenkandidaten wie das komfortable, dennoch straffe Fahrwerk, und die 6-Gang-Automatik tut ein Übriges.

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Drei Motorisierungen werden angeboten. Ein Benziner (250 PS), zwei Diesel (163 und 195 PS). Wir hatten den Basisdiesel ausgefasst, aber eben mit Automatik, nicht Handschalter. Prinzipiell gut passende Kombination. Die Maschine geht, einmal in Schwung, temperamentvoll zu Werke. Jedoch sind uns auf der Suche nach Minuspunkten drei Aspekte aufgefallen: Verbrauch, Akustik, Antritt.

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Ad 1: 8,5 l / 100 km - das ist trotz Klimaanlagen-Hochbetriebs kein Rekordwert. Ad 2: ziemlich lauter Motor beim Beschleunigen, brummig, als weckte man Meister Petz aus dem Winterschlaf. Ad 3: eklatante Anfahrschwäche. Wandlergedenkminute trifft Turboloch, oder so.

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Selbst mit Kickdown und im Sportmodus dauert es, bis der Opel endlich weiß, was gefordert ist. Shakespeare nämlich. "Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!" Aber sonst, wie gesagt: super Auto. Ein kleiner Landlord. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 8.8.2014)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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