Hölzerne Erinnerung an ein Wunder: die Waldkapelle Schüsserlbrunn.

Foto: Thomas Neuhold

Mit einer Seehöhe von 1.720 Metern ist der Hochlantsch die höchste Erhebung im Grazer Bergland. Natürlich ist allein schon der Super lativ ein Grund, hier heraufzukommen. Dass man bei einer einfachen Rundtour von der Teichalm aus mitten im Wald plötzlich ein ganz ausgezeichnetes Wirtshaus, den „Steirischen Jockl“, findet, macht einen Ausflug auf den Hochlantsch gleich noch einmal so attraktiv.

Nicht weit vom Wirten entfernt steht, an die steile Nordflanke des Berges geklebt, eine Kapelle. Es ist das Marienwallfahrtskirchlein Schüsserlbrunn. Es sind knapp 200 steile Stufen vom Jockl hinunter, nicht ganz Trittsichere sollten dem Bier erst nach Besuch des Gotteshauses zusprechen.

Dankbar für das Wunderwasser

Der Legende nach hat mit dem Wasser von Schüsserlbrunn einst eine ungarische Gräfin – auf Geheiß einer Traumeingebung – die Augen ihres erblindeten Kindes benetzt. Das Wunder trat prompt ein, das Kind konnte wieder sehen. Aus Dankbarkeit ließ die Edelfrau nahe der kleinen Quelle eine Kapelle errichten.

Wer auf der Runde Teichalm –Hochlantschgipfel–Teichalm entlang des Mixnitzbaches zu den weiten Almflächen (siehe Routenbeschreibung) zurückwandert, ahnt kaum, dass dieses friedliche Bacherl nur wenige Hundert Meter westwärts eine wilde Klamm in das Gestein gefressen hat.

Höhenmeter ausbaubar

Über rund 350 Höhenmeter stürzt sich der Mixnitzbach hier durch die Bärenschützklamm in die Tiefe, ehe er in die Mur mündet. Wer die beeindruckende Klamm mit ihren unendlich vielen Holzleitern begeht, soll für den Aufstieg bis zur Jausenstation „Guter Hirte“ und für den Abstieg auf dem Normalweg vier Stunden einplanen. Hängt man noch den Hochlantsch mit dran, kommt die Tour vom Parkplatz zum Gipfel auf stolze 1.200 Höhenmeter.

Ganz anders als die zur Teichalm und zum Mixnitzbach hin ausgerichtete sanfte und bewaldete Südseite präsentieren sich die Nordabstürze des Hochlantsch. Hier in den Lantschmauern finden Gämsen und Steinböcke ihre Rückzugsräume, hier herrscht relative Ruhe.

Durch die Nordwand

Relativ, weil durch die Hochlantschmauer die Naturfreunde Breitenau einen ansprechenden Klettersteig gelegt haben. Man fährt von Mixnitz (siehe Anreisebeschreibung) Richtung Breitenau, biegt aber vor dem Ort in den Wöllinger Graben bis zum Parkplatz Zirbisegger (1.000 m) ab. Der Zustieg zum mit B/C (mäßig schwierig / schwierig) bewerteten Steig, der etwas westlich des Gipfels auf den markierten Normalweg kommt, ist ausgeschildert und kaum zu verfehlen. Der Abstieg erfolgt über den Steirischen Jockl und Schüsserlbrunn.

Sicher nur mit Helm

Gesichert? Die Frage muss sich auf dem Naturfreunde-Klettersteig jeder nach eigenem Können selbst beantworten. Ein Helm ist sicher Pflicht, die Steinschlaggefahr ist nicht zu unterschätzen. Das ist natürlich auch ein Argument für die Selbstsicherung. Es gibt aber routinierte Bergsteiger, die die mit C bewertete Stelle am Ausstiegsgrat in der Rinnenvariante (Bewertung A) umgehen und deshalb auf ein Klettersteigset verzichten. Allerdings: Der Steig ist nordseitig ausgerichtet und bei Nässe streckenweise ziemlich rutschig; dann sollten auch die Profis Gurt und Klettersteigset nicht scheuen. (Thomas Neuhold, Album, DER STANDARD, 30.08.2014)