Die Entscheidung, Wiens streitbare City-Chefin Ursula Stenzel nicht mehr zu nominieren, wird bei der Wiener ÖVP mit einem "Generationenwechsel" begründet. Damit werde "eine Verjüngung" vorangetrieben, sagte Landesparteichef Manfred Juraczka. Vielmehr ist die ÖVP vor der Bezirksvertretungswahl im kommenden Jahr eine streitbare Politikerin, die auch gerne bei den Parteikollegen aneckte, recht ungalant losgeworden. Denn andernorts in Wien hält die Partei von einer Verjüngung Abstand: Adi Tiller, VP-Bezirksvorsteher in Döbling seit 1978, sowie Karl Homole, seit 1990 Bezirkschef in Währing, sind älter als Stenzel, jenseits der 70 Jahre, und werden als Spitzenkandidaten erneut antreten.

Stenzels Einstellungen waren teils skurril und unpopulär: Sie trat gegen Punschhütten oder den Silvesterpfad auf, forderte ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und konnte sich einen exklusiven Parkzutritt für Anrainer vorstellen. Nach Kritik an der einst frühen Sperrstunde in der City schrieb ihr Wiens Clubszene 2011 einen vielbeachteten Protestsong: "Ursula stress ned". Anrainerparkplätze im ersten Bezirk konnte sie zuletzt aber durchsetzen.

Ob der neue Spitzenkandidat Markus Figl eine Option für Wähler im Ersten ist, wird sich weisen. Die Forderung, Anrainerparkplätze auszuweiten, ist zu einfach. Interessant wird es, wie und wann Figl mit der Stadtregierung den vielbefahrenen Schwedenplatz zu verschönern gedenkt. (David Krutzler, DER STANDARD, 13.11.2014)