Neue innere Werte zum 75er

"Never change the shape of an Icon", dachte man sich bei IWC Schaffhausen und ließ die äußere Form ihres klassischen Aushängeschilds, der Portugieser, die heuer ihren 75. Geburtstag feiert, so gut wie unangetastet. Eine gute Entscheidung, keine Frage.

Den visuellen Mittelpunkt bildet bei den Modellen der Portugieser Perpetual Calendar (im Bild das Modell mit Einzelmond) die Mondphasenanzeige bei 12 Uhr. Diese ist auch das technische Highlight des Zeitmessers. Größere Mondphasenräder sorgen mit einer höheren Übersetzung dafür, dass die Anzeige erst nach 577,5 Jahren um einen Tag korrigiert werden muss.

Im hier gezeigten Zeitmesser schlägt das Automatikwerk 52610 aus der neuen, hauseigenen Kaliberfamilie 52000. Es verfügt über zwei Federhäuser, die eine Gangdauer von sieben Tagen ermöglichen. Neben den Anzeigen für den Ewigen Kalender und der Mondphase erlaubt das Kaliber auch ein Zeigerdatum und eine Gangreserveanzeige bei drei Uhr.

Das neue Modell erhält man wahlweise mit einem Rotgold- (37.300 Euro) oder Weißgold-Gehäuse (39.200 Euro) mit einem Durchmesser von 44,2 Millimetern. Zudem gibt es eine Variante mit Doppel-Mond auf der Mondphasenanzeige. Hier kostet die rotgoldene Version 38.200 Euro und die weißgoldene 40.100 Euro.

Info: IWC Schaffhausen

Foto: Hersteller

Am Uhrenschlüssel drehen

Etwas Fesches in Form und Funktion ist Cartier mit der auf dem SIHH vorgestellten Clé de Cartier gelungen. Es ist ein komplett neues Modell mit einem interessanten Detail. Die gewohnte runde Krone wurde durch einen - namengebenden - "Uhrenschlüssel" mit blauem Saphir ersetzt. Die Art mit denen man früher die Feder bei alten Uhren gespannt hat. Die Clé besitzt ein ovales Gehäuse mit fließenden Linien in die sich die neue Krone dank gewölbter Flanke perfekt einfügt.

Neu entwickelt wurde auch das automatische Manufakturkaliber 1847 MC, dessen beidseitiger Aufzugsmechanismus besonders effektiv sein soll. Im 40 Millimeter großen Roségoldgehäuse mit Krokolederband kostet die Cartier Clé 16.400 Euro, in Weißgold mit Weißgoldband 32.700 Euro (Bild).

Info: Cartier

Foto: Hersteller

Ein Chrono mit Wirbelwind

Achteckige Lünette, acht sechseckige Schrauben, Tapisserie-Muster auf dem Zifferblatt: Eine Royal Oak bleibt eine Royal Oak. Auch wenn ihr Audemars Piguet zusätzlich zur Chronografen-Funktion noch einen Tourbillon verpasst, der auf Kugeln gelagert, in einem Karbongehäuse (44 Millimeter Durchmesser) zu Hause ist und von einem neuen, hausgemachten Automatikkaliber 2897 (335 Komponenten, komplett per Hand angliert, poliert und verziert) angetrieben wird. Das automatische Aufzugssystem des Royal Oak Offshore Selfwinding Tourbillon Chronograph wird von einer zentralen Schwungmasse aus gebürstetem Platin 950 angetrieben.

Neben Karbon kommen noch andere Hightech-Werkstoffe wie Keramik (Lünette), Titan (Flankenschutz für Drücker und verschraubter Krone) und Kautschuk zum Einsatz.

Der Zeitmesser ist auf 50 Stück limitiert und kostet voraussichtlich 246.900 Euro.

Info: Audemars Piguet

Foto: Hersteller

Vom Himmel her

Meteoritenjäger waren eigens unterwegs, um einen geeigneten, abgestürzten Himmelskörper für die Master Calendar von Jaeger-LeCoultre zu finden. Fündig wurden sie in Schweden. In dünne Plättchen für seinen Bestimmungszweck zugeschnitten, findet sich das kristallin wirkende Gestein nun als Zifferblatt dieses außergewöhnlichen Zeitmessers wieder, in dessen Gehäuse (39 Millimeter Durchmesser, Edelstahl oder Rotgold) das automatische Manufakturkaliber Jaeger-LeCoultre 866 tickt.

Die Komplikationen der Master Calendar umfassen den Jahreskalender, angezeigt durch einen langen Zeiger, dessen Spitze von einer Mondsichel gekrönt wird, die sich entlang einer Skala von 1 bis 31 auf dem Zifferblattring bewegt. Darüber hinaus verfügt er über die Anzeigen der Wochentage und Monate in zwei Fenstern bei 12 Uhr. Bei so einer außerirdischen Uhr darf natürlich die Mondphasenanzeige (bei 6 Uhr) nicht fehlen.

Für 21.700 Euro ist der Zeitmesser in Rotgold und für 10.900 Euro in Edelstahl erhältlich.

Info: Jaeger-LeCoultre

Foto: Hersteller

Den Wirbelwind aus dem Käfig lassen

Zu guter Letzt noch ein technisches Schmankerl aus dem Hause Montblanc, das ganz in der Tradition der zum Hause gehörigen Minerva-Manufaktur steht: Der Montblanc Heritage Chronométrie ExoTourbillon Minute Chronograph. Montblanc entwickelte den patentierten ExoTourbillon Mechanismus, der vollständig in der Manufaktur in Villeret konzipiert und hergestellt wurde, im Jahr 2010 als Teil der Collection Villeret. Fünf Jahre später widmet sich Montblanc nun erneut dieser Komplikation, um sie in das firmeneigene automatische Monopusher Chronografenkaliber der Heritage Chronométrie Collection zu integrieren.

Durch den Aufbau eines klassisch konzipierten Uhrwerks weicht der Schwerpunkt der Unruh aufgrund des Einflusses der Erdanziehungskraft zeitweise von der Rotationsachse ab, was sich besonders störend auswirkt, wenn sich die Uhr in einer vertikalen Position befindet.

Ausgeglichen wird diese Störung im Gravitätszentrum durch ein Tourbillon, das die Hemmung mit seinem Käfig umschließt, der sich fortwährend um die eigene Achse dreht. Während der ersten 180 Grad der Käfigumdrehungen wird die Schwerpunktwirkung erhöht und während der zweiten 180 Grad verringert, um eine konstante durchschnittliche Gangrate der Uhr zu gewährleisten.

Montblanc hat den Zeitmesser mit einer großen, massigen Schraubenunruh ausgestattet. Bei einer gewöhnlichen Tourbillon Konstruktion würde diese breite Unruh einen dementsprechend breiten und schweren Drehkäfig erfordern. Doch der Mechanismus des ExoTourbillons löst das Problem durch die Trennung der Schraubenunruh vom Drehkäfig.

Der Vorteil dieser Konstruktion liegt in einem kleineren Drehkäfig, der durch seine geringere Masse weniger Energie für seine Drehungen benötigt. Noch dazu ist der Drehkäfig vom Gewicht der Schraubenunruh befreit, wodurch der Energiebedarf weiter gesenkt wird, da die vom Drehkäfig getrennte Schraubenunruh nicht durch das Trägheitsmoment des Käfigs beeinträchtigt wird.

Verglichen mit einer traditionellen Tourbillon Konstruktion wird bis zu 30 Prozent Energie eingespart, während sich die Ganggenauigkeit gleichzeitig erhöht. Der erste Teil im Namen dieser innovativen Konstruktion ist der griechischen Vorsilbe "exo" entlehnt, die so viel bedeutet wie "außen" oder "außerhalb".

Die Uhr (Montblanc Manufacture Calibre MB R230) ist mit einem 44 Millimeter-Gehäuse aus 18 Karat Rotgold erhältlich: 38.000 Euro

Info: Montblanc

Foto: Hersteller