9 Sekunden, 9 Ballberührungen, 7 beteiligte Spieler: Hinter diesen statistischen Details verbirgt sich die Entstehung des 4:0 in der 74. Minute. Eingeleitet wurde der Treffer durch einen Out-Einwurf der Liechtensteiner. Was anschließend passierte, stellte eine symptomatische Verdichtung der 90 munteren Minuten von Vaduz dar: Zwischen Fuchs’schem Turnover und Junuzovics Vollstreckung flipperte das Spielgerät geradezu am magischen Schnürchen durch die rotweißroten Reihen.

Nominierungsverdächtig für Kategorie wichtigste Nebenrollen: der Standrückzieger von Arnautovic, der Fersler von Junuzovic sowie Jankos finale Kopfballvorlage. Von ebener Erde bis in den ersten Stock ließ man weder etwas aus, noch brannte etwas an. Insgesamt glänzte das österreichische Teamwork von der Balleroberung über das Herausspielen von Chancen bis hin zum konsequenten Unterbinden möglicher Konter durch kollektive Wachheit, spielerische Präzision und stetes Bemühen um den "zweiten Ball" in den seltenen Fällen von dessen Verlust.

Anzahl der Pässe in 5-Minuten-Abschnitten

Die Passstruktur verdeutlicht die Grundlage jener Souveränität, die Österreich in der Rolle des Spielgestalters an diesem Abend deutlich heller strahlen ließ als noch im Herbst bei ähnlich gelagerte Ausgangslage in der Republik Moldau: das systematische Ineinandergreifen von Robustheit und Elastizität.

Im Spielaufbau dominieren vertikale Impulse, die jedoch auf stabilen Dreiecksbeziehungen beruhen. Gegen Liechtenstein demonstrierte das Team (auch begünstigt durch die zurückhaltende Deckungsarbeit der Gastgeber) seine Fähigkeit, blitzschnell kollektive Spiel- und Handlungsräume in den Lücken der gegnerischen Defensive aufzuspüren und diese schließlich auch konsequent zu nützen.

Insofern hatte auch der fünfte und letzte Streich in der allerletzten Minute in seinem Entstehen etwas Symptomatisches: Als hätte es gegolten, einen knappen Rückstand wettzumachen, überwand das Team die wohlverdiente Müdigkeit und trug den Ball in wenigen Augenblicken vom eigenen Strafraum ins gegnerische Gehäuse. Und kaum jemand hätte für diesen kollektiven Ausnahmezustand ein schöneres Schlusswort formulieren können als der vollkommen überwältigte Spontanpoet Arnautovic: "Es ist eine große Last über mich hergefallen!" (Helmut Neundlinger, derStandard.at, 28.3. 2015)