Dunja Hausmann (Katrin Sass) und Sven Fischer (Arnd Klawitter) bei der Gründung der Bürgerrechtsbewegung "Demokratisches Forum".

Foto: ARD/Julia Terjung

Martin (Florian Lukas) und Roman (Ferdinand Lehmann) am Grenzübergang Bornholmer Strasse.

Foto: ARD/Julia Terjung
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Es ist wieder Spreewaldgurkenzeit! Zumindest im Fernsehen. Die dritte Staffel der bisher weit unter Wert gehandelten ARD-Serie Weissensee ist gestartet. Sie erzählt von einer mit ihrer eigenen Uneinigkeit hadernden Familie im letzten Jahrzehnt der DDR. Die Kupfers haben schon einiges aushalten müssen, geht der Glaube an das Leben doch nicht bei allen Familienmitgliedern immer Hand in Hand mit der Politkarriere von Vater Hans (Uwe Kockisch) und Sohn Falk (Jörg Hartmann).

In den ordentlich vertäfelten Büroräumen des Ministeriums für Staatssicherheit bekommen die beiden Männer regelmäßig große Augen, wenn der freiheitsliebende "Feind" wieder einmal etwas Wildes getan hat, zum Beispiel kritische Lieder singen.

Weissensee startete bereits vor fünf Jahren mit dem Erzähljahr 1980; nun hält das um sichtig produzierte Fernsehwerk von Annette Hess (Buch) und Friedemann Fromm (Regie und teilweise Buch) beim 9. November 1989, dem Fall der Berliner Mauer. Die Sonne des wiedervereinten Deutschland lässt aber auf sich warten. "Has te mal ne Mark?", wendet sich der erste BRD-Penner an Sohn Martin Kupfer (Florian Lukas).

In Weissensee blüht die schön laminierte ockerfarbige Innenwelt der DDR neu auf. Was an Kurbeltischen und vergilbten Schiebetüren, schwarzen Bakelitwählscheiben oder "scheißkalten" Trabis an Ausstattung aufgeboten wird, kann in der Liga von Mad Men mithalten. Schiebt der hohe Funktionär seinen Drehsessel näher an den Bürotisch heran, um sich der Parteilinie zu widmen, dann quietscht das natürlich genau so dezent, dass jeder weiß, dieser Staat hat seine Verschleißgelenke schon lange nicht mehr geschmiert. (Margarete Affenzeller, 29.9.2015)