Die deutsche Journalistin und Publizistin Alice Schwarzer bei "Pro und Contra".

Pro&Contra, Puls4

Sie waren wie die zwei Königskinder, die zueinander nicht kommen konnten: die Feministin und der Politologe. Zwischen ihnen lag ein Meer der Worte, die nach Luft schnappend an die Oberfläche wollten, um gleich wieder hinuntergedrückt zu werden. Dabei könnten Alice Schwarzer und Thomas Schmidinger wahrscheinlich auf derselben Seite kämpfen. Doch bei Pro und Contra spezial über Integration, Islamismus und Feminismus auf Puls 4 am Montagabend merkte man das nicht.

Ob man Islamisten gegenüber zu tolerant ist? Ja, fand Schwarzer. Jein, meinte Schmidinger. Gab es in Köln eine Attacke auf Frauen, die mit Attentaten vergleichbar ist? Ja, sagte Schwarzer. Darauf gebe es keine Hinweise, sagte Schmidinger. Corinna Milborn versuchte immer wieder, den beiden mit kleinen Leuchtfeuern zueinander zu helfen. Meist waren die ausgepustet, bevor sie in die Erde gerammt wurden. "Völliger Quatsch! Kinder, ich kann bald nicht mehr!", rief Schwarzer etwa, als Milborn meinte, sie sei eine "Kopftuchgegnerin". Nur in Schulen und im Staatsdienst, präzisierte Schwarzer. Sie fühle sich falsch interpretiert, wundere sich, dass sie noch in Talkshows gehe, sei nicht gegen den Islam, sondern "gegen politischen Islam und Islamismus".

Als ein Mann aus dem Publikum ihr vorwarf, die FPÖ argumentiere mit ihren Zitaten, sagte sie: "Ich bin unvereinnehmbar für alle Rechten und auch für Rechtspopulismus." Was die FPÖ von Schwarzer an diesem Abend eher nicht übernehmen wird: "Ich begrüße die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel." Islamismus ist Faschismus – da waren sich Schmidinger und sie einig. Erleichtert nickte man einander zu. (Colette M. Schmidt, 22.2.2016)