Tirols Landeschef Günther Platter (ÖVP) gibt sich entspannt, er soll aber gar nicht begeistert gewesen sein, dass seine Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) in ihrer Freizeit leidenschaftlich gegen Grenzkontrollen demonstriert.

Foto: APA / Thomas Böhm

Diplomatisch ausgedrückt tragen Günther Platter (ÖVP) und Ingrid Felipe (Grüne) gerade von ihren "unterschiedlichen Positionen die gemeinsamen nach außen". So formulierte es Tirols Landeschef zumindest selbst. Doch jeder weiß: Geben sich Politiker betont gelassen, ist Obacht geboten.

Parteifreunde Platters erzählen, dass er fuchsteufelswild gewesen sein soll. Der Grund? Stellvertreterin Felipe ging demonstrieren – auf dem Brenner, gegen jene geplanten Grenzkontrollen, die Platter seit Wochen mit Müh und Not zu rechtfertigen versucht.

Ansgt vor "Berufsdemonstranten und Anarchos"

Die Vergeltung folgte sogleich: Als sein Südtiroler Kollege Arno Kompatscher die Idee eines einstweiligen Demonstrationsverbots auf dem Brenner kundtat, war Platter sofort begeistert. Nachdem es bei der letzten – von Felipe besuchten – Demonstration zu Ausschreitungen gekommen sei, habe der Landeschef schließlich zu befürchten, dass der Brenner "zu einem Aufmarschgebiet von Berufsdemonstranten und Anarchos wird", erklärte er.

Seine Stellvertreterin ließ sich dadurch nicht demotivieren: "Ich werde immer wieder an Demos teilnehmen", verkündete sie am Dienstag gutgelaunt in seiner Anwesenheit. Am Sonntag – da ist die nächste Protestkundgebung auf dem Brenner geplant – sei sie allerdings verhindert.

"Doskozil gießt Öl ins Feuer"

Immerhin in einem sind sich (laut Platter) beide einig: "Als letzte Maßnahme" müsse Tirol Flüchtlinge bereits an der Grenze registrieren – also Kontrollen einführen. "Dichtmachen" wolle den Brenner (laut Felipe) aber niemand.

Platter erklärte, dass er jedenfalls die "Kriegsrhetorik", die in diesem Zusammenhang immer häufiger zu hören sei, für absolut "unnotwenig" halte. Felipe führte aus, dass sie vor allem die Wortwahl von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) "wenig hilfreich" finde. "Er gießt, durch das, was er sagt, ständig Öl ins Feuer. Das ist weder aus humanitären noch aus wirtschaftlichen Gründen vertretbar." (Katharina Mittelstaedt, 19.4.2016)