Was heuer bei der Mathematik-Zentralmatura noch gelernt wurde.

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Non vitae, sed bifie discimus (frei nach Seneca) bedeutet übersetzt: Nicht für das Leben, sondern für das Bifie lernen wir! Problematisch ist nur, dass das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung speziell in Mathematik teilweise äußerst schwammig definiert, welche Aufgabenstellungen die sogenannten Grundkompetenzen beinhalten. Also üben die fleißigen Schüler jene 400 Beispiele, die ihnen auf der Website des Bifie zur Verfügung gestellt werden. Ebenso vertiefen sie sich in die veröffentlichten Maturaaufgaben der Vorjahre. Das sollte für ein positives Abschneiden bei der Matura doch ausreichen, möchte man annehmen. Und das tut es auch – für die wenigen, die Mathematik verstehen, also eine Begabung für das Spiel mit Zahlen, Formeln und Logik haben.

Diejenigen aber, denen die Welt der Mathematik befremdlich erscheint und für die die durchgerechneten Beispiele wie Hoffnungsstrohhalme aus dem dunklen Meer des Unverständnis emporragen, verzweifeln an den Aufgabenstellungen der Zentralmatura.

Tiefergründiger Bildungsauftrag

Aber vielleicht ist die Mathematik nur die sichtbare Verkleidung eines tiefgründigeren Bildungsauftrags? Folgendes wurde bei der Mathematik-Zentralmatura 2016 gelernt:

Schüler-Fazit Nummer eins: Wenn ich in Mathe gut bin, ist die Matura "easy-cheesy". Wenn ich in Mathe mittelmäßig bin, kann ich lernen, so viel ich will, es werden immer für mich unlösbare Aufgaben kommen, aber es könnte sich mit viel Glück auf einen Vierer ausgehen. Wenn ich schlecht in Mathe bin, dann kann ich lernen, so viel ich will, ich werde die Aufgaben nicht lösen können.

Schüler-Fazit Nummer zwei: Wenn ich mich wirklich, wirklich anstrenge, werde ich nicht belohnt. Selbst wenn ich etwas unbedingt will, bleiben bestimmte Ziele unerreichbar. Wichtig ist, viel Zeit für Dinge aufzuwenden, die ich nicht verstehe. Weniger wichtig ist, meine Begabungen zu stärken und zu fördern.

Somit stimmt also doch Senecas Spruch, in verdrehter Weise: Non bifie, sed vitae discimus. Danke, Bifie. (Charlotte Wiegele, 11.5.2016)