Graz – So kann man es auch machen. Der Politiker Frits Bolkestein (83), 1990 bis 1998 Fraktionsvorsitzender der rechtsliberalen VVD im niederländischen Parlament, meinte: "Wir sollten die Finanzierung von Kunst nicht kürzen – sondern erhöhen. Aber um das Kunstbudget zu finanzieren, könnten wir zuerst die Entwicklungshilfe kürzen." Eine ausgefuchste Taktik, sich zugleich gegen Kunst und Entwicklungshilfe auszusprechen, indem man sie gegeneinander ausspielt.

Der in Deutschland geborene und in Utrecht lebende Künstler Julian Hetzel (35) hat sich von Bolkesteins Geistesblitz zu einem sehr speziellen Kunstprojekt inspirieren lassen: The Benefactor. Er spendete ab Mai 2011 sein Projektbudget von 2000 Euro an ein vierjähriges Mädchen, das in der kongolesischen Stadt Uvira in einem SOS-Kinderdorf lebt. Jeden Tag wurde ein Euro zur Verfügung gestellt, sodass die Versorgung des Kindes über 2000 Tage, rund fünfeinhalb Jahre, sichergestellt war.

Diese Aktion ist erstens eine Ohrfeige für den Zynismus, wie er in der gegenwärtigen Politik herrscht. Zweitens eine Kritik an den Versuchen, immer wieder an den, auch in Österreich, im Verhältnis zu anderen öffentlichen Ausgaben geringen Kulturbudgets zu sparen. Gerade in Bezug auf zeitgenössische Kunst erhebt sich hier der Verdacht verdeckter struktureller Zensur oder des Versuchs, Kunst im Sinn der Politik zu instrumentalisieren.

Und drittens unterstreicht Hetzel den Irrsinn der Idee, gerade im durch über Jahrhunderte betriebene kolonialistische Ausbeutung (im 17. und 18. Jahrhundert auch im Kongo), reich gewordenen Holland, an der Entwicklungshilfe zu sparen, anstatt über Reparationsleistungen nachzudenken.

Während des Festivals verkauft Hetzel übrigens auch Seife aus menschlichem Fett in seiner in der Grazer Volksgartenstraße eröffneten Schuldfabrik. Mit dem Erlös wird ein Brunnenbau in Afrika finanziert. (Helmut Ploebst, Spezial, 16.9.2016)