Graz – Die Wurzeln des portugiesischen Plattenlabels Príncipe Discos liegen im Abseits. In Lissabonner Vororten, dort, wohin die Busverbindungen schlecht sind, suchten junge Leute in den Nullerjahren nach Ausdruck, Selbstermächtigung, Party – und fanden "Batida": einen Sound, der afrikanische Rhythmik mit House- und Technoideen verschmilzt.

Frisch-fröhlich wurden gefundene Sounds zerhäckselt und zu hypnotisch dahinrumpelnden und -pumpelnden Tracks neu zusammengesetzt. Und das auf derart einnehmende Weise, dass irgendwann der große Labelbruder Warp eine Compilation herausbrachte und sich Radiohead-Kopf Thom Yorke zum Fan bekannte. Heute tingeln die jungen Leute von Club zu Club durch die Welt.

Nun machen drei Botschafter des Batida-Spirits auch im Club Panamur des Steirischen Herbstes 2016 Station: DJ Nigga Fox präsentiert im Grazer Orpheum sein Debütalbum O Meu Estilo, das afrikanische Perkussion mit verstimmten Synthsounds verbindet. Zur Seite stehen ihm DJ Firmeza sowie die 20-jährige Nidia Minaj, die ihre Uptempo-Beats gerne in die Verzerrung schickt. Immerhin will ja auch der "Herzschlag nach einem Autounfall" vermittelt werden – dieses eindringliche Bild nutzte ein Protagonist des Labels Príncipe Discos einmal in einem Interview mit dem Guardian, um den Begriff Batida zu erklären.

Schon kommende Woche zu Gast im Club Panamur, gewidmet dem Thema der musikalischen Grenzüberschreitung, ist Aïsha Devi. Die in der Schweiz geborene Tibeto-Nepalesin befasst sich mit dem Brückenschlag zwischen Spiritualität und Wissenschaft.

Of Matter and Spirit heißt denn auch Devis Debütalbum – benannt nach einem Buch ihres Großvaters, der Physiker am Cern war. Ausgangspunkt der darauf praktizierten Mystik sind düstere Beats, über denen die klassisch ausgebildete Sängerin feine Fäden ihrer elektronisch verfremdeten Stimme schweben lässt. (rg, Spezial, 30.9.2016)