Maßgeschneiderter Staatsstreich: Saskia Klar, Bernhard Majcen, Michael Schusser, Okan Cömert (v. li.) in "Des Kaisers neue Kleider" im Rabenhof.

Foto: Ingo Pertramer / Rabenhof

Wien – Ein Mann steht splitternackt im Raum – und alle rühmen überschwänglich seine "Kleidung". Aus purer Angst, sie könnten jeweils die Einzigen sein, die es nicht wert oder die zu dumm dafür seien, die edlen Stoffe zu erspähen.

Dass diese Idee aus Hans Christian Andersens Märchen Des Kaisers neue Kleider (1837; sie geht auf eine spanische Erzählung des 14. Jahrhunderts zurück) auch für ein jugendfreies Theaterstück taugt, zeigt die neue Inszenierung von Roman Freigaßner-Hauser im Rabenhof-Theater. Sie entstand in Koproduktion mit dem Theater der Jugend.

Der junge Kaiser (Michael Schusser) übernimmt ein Gebirge an undurchschaubaren Regeln, hat Angst vor dem Regieren und für die Krönungsfeierlichkeiten noch kein Outfit. Hier tritt des Kochs blitzgescheite Tochter (Saskia Klar) auf den Plan. Da es den "Völklingen" im Staate schlechtgeht und der Kaiser davon vermutlich nicht viel mitkriegt, plant sie nichts weniger als den Umsturz.

Selbstermächtigung

In einem Akt der Selbstermächtigung mit besten pädagogischen Absichten gibt sich die Küchengehilfin mit ihrem Vater (Bernhard Majcen), der gerne auf Karottenflöten oder Baguettefagotten trällert, als ominöses Couturier-Paar aus Paris aus. So erlesene Roben würden die beiden schneidern können, so ihr Versprechen, dass nur Menschen reinen Gewissens und großer Klugheit sie auch sehen könnten.

Die erste Anprobe verläuft desaströs. Und die Schwachmatenminister (Majcen, lustig: Okan Cömert) laufen auf der knallbunten Scherenschnittbühne (Ausstattung: Dominique Wiesbauer) volle Kanne ins offene Messer.

Fazit: Unterwirf dich nie dümmlichen Ansagen, auch wenn's unangenehm werden könnte. Der Kaiser hält sich erfreulicherweise bereits daran. (Margarete Affenzeller, 15.12.2016)