Sagt man den Linken nicht zurecht nach: Die reden gern?, beginnt Folk. Viel redet, wer Konsens erhofft und Rationalitätssteigerung erwartet. Bei soviel Reden gerät das Tun leicht in Vergessenheit, mahnt Folk.

Ist man, so hat sich Folk kundig gemacht, ein Linksliberaler, und hat man Sehnsucht nach einem gewissen modern branding, dann macht man auf deliberative democracy. Dann redet man nur noch, ab und zu schreibt man auch. Jedes Entscheiden und jedes Handeln steht dann schon im Verdacht, nicht ausreichend diskursiv zu sein.

Nicht reden, handeln!

Bloß reden tut aber auch, wer zum Handeln nicht die Kraft hat. Die SPÖ ist so ein Fall, beobachtet Folk. Die SPÖ ist von der Idee deliberativer Demokratie kaum angeweht, sie redete oft bloß so dahin. Da ist dann aber auch kein großer Unterschied mehr, sagt Folk: Ob ich mit Theorie oder ohne nicht handle, das ist sich gleich. Die SPÖ Graz hat's bewiesen.

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Das Publikum freilich will etwas sehen. Bemüht sich jemand jahrelang um den Konsens, tut sich dann aber nichts, was einem ins Auge fällt, dann ist es, selbst für Folk, reichlich fade. Versprüht man noch so viele Argumente und zeigt sich, dass der potentielle Rationalitätsgewinn nicht realisiert wird, weil doch nur alles im Dissens endet, so will man sich dem Schauspiel nicht mehr aussetzen.

Das jedenfalls hat Kern bemerkt, sieht Folk. Er will was tun.

Ein Vorpreschen mit dem "Plan A" und ein durch Unterschrift und Siegel dokumentiertes "Arbeitsprogramm" machen aus dem "Nicht-mehr-nur-bloß Reden" aber noch keine Handlung, mahnt Folk. Das ist noch kein Tun. Derartiges steigert nur die Erwartungen, hebt die Ansprüche. Fast ist es ein Naturgesetz, weiß Folk, dass je mehr und je Größeres man ankündigt, desto mehr werden Erwartungen enttäuscht und bleiben Ansprüche unbefriedigt.

Wie wird ein Schuh draus?

Man muss Macht gewinnen, Einfluss ermöglichen, sagt Folk, nachdem er aus dicken Gefängnisheften aufblickt. Erst gemeinsam handelnd, sich zusammenschließend, bilden die Menschen Macht. Das ist das Schlüsselwort nicht nur der politischen Philosophie, sondern auch der Tagespolitik.

Folk sagt: Macht ist stets Macht zum Handeln. Sonst ist's nur Gerede. Man muss anfangen können. Man muss sich zusammenschließen können. Ohne das Zusammenhandeln und ohne das Zusammenschließen, das heißt als einzelner ist der Mensch ohnmächtig, selbst ein Kern, sagt Folk. Die KPÖ in Graz zeigt es: Erst der Zusammenschluss macht die Sich-Zusammenschließenden (vorerst: ein bisschen) mächtig.

Wer nicht nur redet, der muss scheinbar naturwüchsige Prozesse und Abläufe unterbrechen können. Er muss einen Anfang setzen, und den Neubeginn auch. Alleine, sagt Folk, geht da gar nichts, es müssen schon viele sein. Alles Handeln ist ein Sich-Zusammenschließen im Handeln und durch Handeln einer Menge von Menschen. Alles Handeln bildet im Zusammenschluss einer menschlichen Vereinigung Macht.

Dort wo er jetzt steht, sieht Folk, kann er sich nicht zusammenschließen mit anderen. Was er als Handelnder vermag, setzt keinen Anfang und keinen Neubeginn – er bricht nichts ab, er setzt nur fort, dort, wo er ist. Das wird die Menschen zum Zusammenschluss nicht ermuntern, und zum Zusammenhandeln erst recht nicht.

Kern sagt, dass er tut. Das ist das Richtige im Falschen. (A. J. Noll, 7.2.2017)