Sie war eine der größten Attraktionen Kaliforniens, ein Besuchermagnet für Jung und Alt: die Los Angeles Alligator Farm am Rande der kalifornischen Metropole. Von 1907 bis 1953 pilgerten endlose Touristenströme in das Reich der Echsen, um sich bei öffentlichen Krokodil-Fütterungen und lustigen Alligator-Rutschpartien gar königlich zu amüsieren. Mehr als 1000 Tiere konnten die todesmutigen Besucher auf der Farm bestaunen.
Die wollen doch nur spielen
Man muss allerdings schon ein großer Freund der Krokodile sein, um sich nicht schaudernd abzuwenden, wenn man sieht, wie die Alligatoren mit den Besuchern der Farm in überaus engen Kontakt traten. Hier konnten sich willige Menschen ganz ungezwungen unter die Reptilien mischen, ein kühles Bad mit den Alligatoren genießen und die frisch geschlüpften Tiere – wie die niedlichen Kätzchen zu Hause – mit Milch füttern.


Alles in allem also ein wunderbares Ausflugsziel für die ganze Familie, das einen Tag lang ungetrübten Spaß versprach. Selbst Babys und Kleinkinder mussten keinen gebührlichen Respektabstand halten, sondern wurden von ihren fürsorglichen Eltern wie selbstverständlich zwischen die Reptilien gestellt, oder – falls die Kinder noch etwas wacklig auf den Beinen waren – ganz einfach in das Gehege mit den frisch geschlüpften Alligatorenbabys gesetzt – ganz wie im heimischen Streichelzoo. Eine spannende Alternative zu den faden Meerschweinchen und Salat knabbernden Häschen.


Aber damit nicht genug: Dressierte Alligatoren benutzten zur Erheiterung des Publikums eine Wasserrutsche und sogar Hunde durften mit den Krokodilen liebevoll kuscheln. "Wir müssen draußen bleiben!"-Schilder gab es in der kalifornischen Alligatorenfarm nicht. Alle Besucher wurden freundlich aufgenommen, egal ob Mensch oder Tier.


Auch kleine Mitbringsel durften nicht fehlen: In einem angeschlossenen Shop konnte man Krokodilleder-Brieftaschen und für die Liebsten zu Hause Ansichtskarten vom aufregenden Tag auf der Alligatorenfarm erwerben.
Zu wie vielen gefährlichen Zwischenfällen es in all den Jahren kam – ob abgetrennte Gliedmaßen, oder auch die eine oder andere unschöne Fleischwunde – konnte nicht eruiert werden.
1953 wurde die Farm am ursprünglichen Standort geschlossen, erhielt einen neuen Namen und übersiedelte nach Buena Park, ebenfalls in Kalifornien. Doch der Touristenansturm der ersten Jahrzehnte wurde nie wieder erreicht, die nunmehrige California Alligator Farm schloss ihre Tore im Jahr 1984 für immer, nachdem die Besucherzahl unter 50.000 pro Jahr gefallen war und eine rentable Fortführung der tierischen Attraktion nicht mehr möglich schien.
Auch erste Ansätze von Merchandising kamen zum Einsatz. Ansichtskarten vom unvergesslichen Tag auf der Alligatorenfarm sollten die Nachbarn vor Neid erblassen lassen:
(Kurt Tutschek, 22.2.2017)
Die Bilder wurden dem Autor von der Los Angeles Public Library (Security Pacific National Bank Collection) zur Verfügung gestellt.