SKN-Abwehrchef Babacar Diallo genießt den Ausgleich durch den Abwehr-Kollegen Michael Huber.

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St. Pölten – Der Lenz hatte das Land und so auch Niederösterreichs Metropole St. Pölten umfangen, das Firmament ein makellos blaues Samttuch über die NV-Arena gebreitet. Der Heimstatt des SKN, die unter weniger günstigen klimatischen Umständen durchaus auch das Zeug zum garstigen Vogelhäusl hat, war es also gestattet, den Samstagsstaat des Schmuckkästchens anzulegen. Sogar ein nagelneuer Rasenteppich war ausgerollt worden. Es war, wie man so sagt, aufgeteilt, für den unwahrscheinlichen Schlager zwischen dem Aufsteiger und Rapid Wien. Unwahrscheinlich deshalb, da im Falle eines Sieges die Gastgeber nach Punkten mit dem Rekordmeister gleichziehen konnten – und das nicht etwa nach Runde eins oder zwei. Nein, die Bundesliga schreibt bereits den Spieltag Numero 27.

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Kaum je dürfte der SKN so viele Sympathisanten hinter sich gewusst haben, denn abgesehen vom Rapid-Anhang dürfte Fußball-Österreich die Überraschung gewünscht, wenn nicht, ob der historische Ausmaße angenommen habenden Krise der Hütteldorfer, sogar erwartet haben. Aber ist eine erwartete Überraschung überhaupt noch eine? Egal. Die Antizipation war in lichte Höhen geschossen, Schadenfreude ist, das vergaß auch STANDARD-Orakel Reinhard Weidinger nicht zu betonen, eine der schöneren Freuden.

Der immer gern gesehene Favoritenfall hatte diesmal noch zusätzliche Brisanz erfahren, dürfte doch die Zukunft des Rapid-Trainers Damir Canadi an einem seidenen Faden hängen. Der wortgewaltige Kollege H. hat das unlängst ausführlich ausgeführt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Hütte summte und brummte gefüllt mit immerhin 7.627 Menschen. Selbst Schmieranskis Neffe und Nichte waren extra aus Linz angereist, um sich vom Opa, regionale Legende älterer Semester, ausführen zu lassen.

Gastgeber mit früherem Schwung...

Nach einer Trauerminute für den vor zwei Tagen 49-jährig verstorbenen Ernst Ogris ging es dann auch los. Und die ersten Akzentchen gingen auf das Konto des SKN, bei dem Abwehrchef Babacar Diallo nach einer Sperre wieder mit von der Partie war. Ein Weitschuss, von Kapitän Lukas Thürauer gut angetragen, verfehlte sein Ziel nur knapp (8.). Rapid bestand zunächst aus Passivität und fehlerhaftem Passspiel. Den ersten brauchbaren Vorstoß der Gäste über Giorgi Kvilitaia machte Referee Alexander Harkam durch unglückliches Stellungsspiel zunichte. In der 13. Minute schlüpfte SKN-Flügelflitzer Cheikou Dieng durch die wiederholt weitmaschige Wiener Defensive. Der in entscheidenden Momenten zu etwas zu viel Selbstsucht neigende Senegalese scheiterte jedoch an einem sinnvollen Abschluss (13.).

Mit Fortdauer der ersten Halbzeit bekam Rapid, wo Christopher Dibon anstelle Christoph Schösswendters in der Dreierkette aufgeboten wurde und Tamas Szanto das Mittelfeld komplettierte, mehr Hand und Fuß. Der eifrig werkende Steffen Hofmann riss im Mittelfeld die Initiative an sich. Nachdem Adi Mehremic statt zu klären vertändelt hatte, rettete Christoph Riegler noch bei einem Schuss von Mario Pavelic aus kurzer Distanz. Rapids Rechtsaußen hätte immer wieder massig Platz vorfinden können, wurde aber von seinen Kollegen ebenso regelmäßig übersehen. Drei Minuten später war der St. Pölten-Keeper jedoch machtlos. Joelinton durfte sich an der Strafraumgrenze drehen, ein Schusskanal öffnete sich – und der Brasilianer versenkte den Ball im langen Eck zum 1:0 für Rapid (22.).

...und spätem Ausgleich

Der SKN fand offensiv nur noch vereinzelt statt, etwa als Michael Huber einen Corner mit dem Hinterkopf verlängerte und Marco Perchtold im Fünfer nur knapp zu kurz kam. Beiderseits machten die Defensivverbünde bei weitem keinen sattelfesten Eindruck. Die Niederösterreicher hatten mit Rapids Sturmduo seine liebe Not. Joelinton fand sich etwa im Strafraum völlig alleingelassen, Riegler parierte (31.). Kurz danach zögerte der Tormann beim Herauslaufen, konnte den Brasilianer nur noch niedermähen. Riegler kam mit Gelb davon und drehte daraufhin Hofmanns Freistoß über die Latte. In der 35. Minute passierte Rapid eine wirklich sehenswerte, flott vollzogene Kombination über drei Stationen – beim Abschluss von Stefan Schwab war erneut Riegler zur Stelle.

Aus dem in der Tat heiteren Himmel fiel der Ausgleich. Ümit Korkmaz ging, nicht zum ersten Mal grob genommen, zu Boden. Den verhängten Freistoß brachte Michael Ambichl herein, Huber verwertete per Kopf. Der Zeitpunkt, die 45. Minute nämlich, könnte von Seiten Rapids als durchaus unglücklich verbucht werden.

Nach der Pause nicht mehr viel

Auch in der zweiten Halbzeit gelang den Gastgebern der etwas bessere Start. Allerdings produzierten beide Mannschaften nur Halbgares, gut Gemeintes verblieb in der Möglichkeitsform. Während keine Seite mehr Torgefahr produzieren konnte, blieb die Fehlpassquote erheblich. Dass in diesem von Einsatz geprägten Geschehen ziemliche Gleichwertigkeit herrschte, sprach nicht unbedingt gegen den Außenseiter. Nach einer Stunde verließ der ausgelaugte Korkmaz das Feld (Daniel Schütz kam), nicht lange danach folgte ihm, durch Thomas Murg ersetzt, Steffen Hofmann. Dass auch in den folgenden 25 Minuten Spielerwechsel – beide Trainer nützten ihr volles Kontingent – die einschneidensten Vorfälle des Spiels bleiben sollten, spricht Bände.

Drei Minuten vor Schluss noch einmal Brisanz: Manuel Hartl fand sich plötzlich Aug in Aug mit Rapid-Keeper Tobias Knoflach, traf jedoch nur die Außenstange. In der 90. Minute durfte Riegler noch einen Schuss halten, Thomas Murg hatte es probiert. Am Ende stand so ein leistungsgerechtes Remis. Rapid kommt weiter nicht vom Fleck, der SKN nimmt einen Punkt gegen den Abstieg mit. Am Mittwoch sieht man sich im Cup-Viertelfinale wieder. (Michael Robausch, 1.4. 2017)

Fußball-Bundesliga – 27. Runde:
SKN St. Pölten – SK Rapid Wien 1:1 (1:1). St. Pölten, NV Arena, 7.627, SR Harkam.

Tore: 0:1 (22.) Joelinton, 1:1 (45.) Huber

St. Pölten: Riegler – Stec, Huber, Diallo, Mehremic – Ambichl, Perchtold (86. Martic)- Korkmaz (61. Schütz), Thürauer (79. Hartl), Dieng – Doumbouya

Rapid: Knoflach – Dibon, Sonnleitner, M. Hofmann (37. Wöber) – Pavelic (73. Auer), Szanto, S. Hofmann (68. Murg), Schwab, Schrammel – Kvilitaia, Joelinton

Gelbe Karten: Doumbouya, Korkmaz, Riegler bzw. M. Hofmann, Pavelic