Djuna Barnes, "Eine Nacht mit den Pferden." € 11,30/67 min. Der Audio-Verlag, Berlin 2017

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Komplimente können auch vernichten. So wird etwa die US-Amerikanerin Djuna Barnes, 1892 geboren und 1982 in New York, wohin sie 1939 aus Europa zurückgekehrt war, verarmt, verbittert, vergessen und als menschenscheue Fast-Eremitin verstorben, in Literaturgeschichten hoch gewürdigt. Ist aber eher unter P gelistet. P wie Phantom. Denn ihre Prosa ist nahezu vergessen, ihr Roman Nightwood enorm fordernd.

Elegant dafür ihre Reportagen und Geschichten. Nun liegt die Lesung der aus Oberösterreich stammenden, seit 25 Jahren in Berlin an Castorfs Volksbühne tätigen Schauspielerin Sophie Rois wieder vor. 2001 hatte sie fünf Texte aufgenommen, denen nicht durchgehend die heisere Fleckigkeit der Rois'schen Stimmbänder guttun.

Dafür ist trefflich zu studieren, wie eine Tragödie en miniature zu konstruieren, wie Eitelkeit zu dekuvrieren und wie, im Brief an Emily Coleman, ein Berserkermonolog einer Frau zu schreiben ist, in dem es um das Sezieren von Leidenschaft geht. Und um ein falsches Leben im falschen Bewusstsein. (Alexander Kluy, 16.6.2017)