Wien – Das Wiener Jugendamt wirft den Betreibern der Georg-Danzer-Häuser für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Fördermissbrauch vor. Nach einer entsprechenden Anzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien, berichtet der "Kurier" vom Freitag. Die Gründerin des Vereins Fluchtwege, der sich mittlerweile in einem Insolvenzverfahren befindet, weist die Vorwürfe zurück.

Das Jugendamt hat im Frühjahr eine Sachverhaltsdarstellung gegen den Verein eingebracht, der in mehreren Häusern minderjährige Flüchtlinge betreute (mittlerweile sind nur noch 17 Flüchtlinge in einem Haus in Niederösterreich untergebracht). "Es gab keine nachvollziehbare Buchhaltung und nicht nachvollziehbare Privatüberweisungen", sagt eine Sprecherin im "Kurier". Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Ermittlungen auf.

Verein: "Haben uns nichts vorzuwerfen"

Vereinsgründerin Marianne Engelmann weist die Vorwürfe zurück. Ihrer Darstellung zufolge handelt es sich bei den Überweisungen um die Rückzahlung von privat vorgestreckten Mitteln. Man habe acht Wochen Miete, Verpflegung und Ähnliches privat vorfinanzieren müssen, bis öffentliche Förderungen ausgezahlt wurden. "Das haben wir vorgestreckt, und irgendwann wurde das zurücküberwiesen", erklärt Engelmann. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Ich gehe davon aus, dass das eingestellt wird."

Das Konkursverfahren wurde laut Engelmann eingeleitet, weil die Gemeinde Wien die Zahl der dem Verein anvertrauten Flüchtlinge reduziert habe, woraufhin man Mitarbeiter abbauen, aber für einige Monate weiterbezahlen musste. Für die Sozialversicherung habe das Geld dann nicht mehr gereicht. Laut "Kurier" hat die Masseverwalterin die Schließung des Unternehmens beantragt – unter anderem wegen Nichteinhaltung des Vereinsgesetzes. So habe der Verein weder die in den Statuten vorgesehenen zwei Rechnungsprüfer noch die gesetzlich vorgesehene Einnahmen-Ausgaben-Rechnung samt Vermögensverzeichnis. (APA, 27.7.2017)