Osnabrück – Von neuen Ausgrabungen auf dem Gelände des Museumsparks Kalkriese im Südwesten Niedersachsens berichtet die Universität Osnabrück. Auf diesem Gelände soll im Jahr 9 unserer Zeitrechnung die legendäre Varusschlacht zwischen drei römischen Legionen und einem germanischen Heer unter dem Cherusker-Fürsten Arminius stattgefunden haben, die in einer vernichtenden Niederlage der Römer endete.

Die Forscher konnten nun eine provisorische römische Befestigungsanlage bestehend aus einer Wallanlage und einem vorgelagerten Graben lokalisieren. "Wahrscheinlich haben sich die Römer im Verlauf der Schlacht hier verschanzt – der unregelmäßige Verlauf spricht dafür, dass die römischen Soldaten das in großer Eile und Bedrängnis gemacht haben dürften", sagt der Münchner Archäologe Salvatore Ortisi, der wissenschaftliche Leiter des Projekts. Schon im Sommer 2016 hatten Forscher eine Wallanschüttung gefunden, die damals noch Rätsel aufgab.

Kurz vor dem Ende

Die Befestigungsanlage ist laut den Experten zwar römischen Ursprungs, entspricht aber nicht den üblichen römischen Standards. Defensiv angelegt und ausgestattet mit einem nach außen gerichteten Graben, nutzten die Römer anscheinend die Topografie des Geländes, um sich zu verschanzen. Aufgrund der Größe gehen die Archäologen davon aus, dass hier 2.000 bis 3.000 Mann Schutz gesucht haben.

Die Funde zeigen außerdem, dass hier auch Kämpfe stattfanden. "Das spricht womöglich dafür, dass wir es hier mit einem der letzten Gefechte zwischen den Römern und Germanen im Verlauf der Varusschlacht zu tun haben", sagt Ortisi. In einem weiteren Grabungsschnitt im Westen stehen die Archäologen noch am Anfang. In den kommenden Wochen werden hier weitere Funde und Befunde erwartet. (red, 28. 9. 2017)