Amazon ist cool, denn Amazon ist New Economy. Da hat einer vor zwanzig Jahren eine geniale Idee und gründet einen Online-Handel. Am Anfang verschickt Jeff Bezos selbst die Pakete und heute ist er einer der reichsten Menschen der Welt. Amazon bietet seinen Premium-Kunden allerlei Schmankerl an, von exklusiven Inhalten seiner Streaming-Plattform bis zur kostenlosen Zustellung von Bestellungen mit mehr als 30 Euro Gesamtwert. Amazon hat in den USA 50 Prozent Marktanteil am Online-Handel. Jetzt hat Bezos dem traditionellen Einzelhandel den Kampf angesagt und will dem Platzhirschen Walmart Marktanteile abluchsen. Dafür übernimmt Amazon den Einzelhändler Whole Foods Market um mehr als 11,5 Milliarden Euro.

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Gewinne und Dividenden

Auf der anderen Seite steht Walmart, das 1962 gegründete, größte Unternehmen der Welt, das pro Jahr einen Umsatz von über 400 Milliarden Euro macht. Das ist vier Mal so viel wie bei Amazon. Platzhirsch Walmart sieht nicht tatenlos zu, wenn Amazon in seinem Revier wildert und hat deshalb 2016 einige mittelständische Online-Händler übernommen. Außerdem spricht für Walmart, dass es gute Gewinne schreibt und regelmäßig Dividenden ausschüttet. Davon kann der Amazon-Aktionär nur träumen, denn Bezos führt sein Unternehmen im Grunde noch immer wie ein Start-up-Unternehmen. Es stimmt schon, dass immer mehr US-Einzelhändler (ähnlich wie in Europa) zusperren. Das gilt aber nicht für Walmart, das im laufenden Geschäftsjahr 10.000 neue Mitarbeiter einstellen und 59 Geschäfte neu eröffnen und renovieren wird.

Im US-Handel spielt sich zurzeit ein Machtkampf der Giganten ab. Beide Konkurrenten wildern im Revier des anderen. Walmart hat schon gezeigt, dass es im Online-Handel gut mithalten kann. Amazon hingegen ist den Beweis noch schuldig, dass es sich im traditionellen Einzelhandel behaupten kann. Die TechCrunch-Kolumnistin Sarah Perez bringt es auf den Punkt: "Amazon möchte Walmart werden, bevor Walmart zu Amazon wird". (Markus A. Gaßner, 29. Dezember 2017)