Wien – SPÖ-Mediensprecher Thomas Drozda, zuletzt Medienminister im Kabinett von Christian Kern, beobachtet mit "Argwohn" die Angriffe der FPÖ auf den ORF. FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein hat diese Woche mehrfach und nachdrücklich die Abberufung oder den Rücktritt von TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher gefordert. Solche Aufforderungen von einem Mediensprecher seien ein "No-Go" und "in einem demokratischen Gemeinwesen völlig inakzeptabel", erklärt Drozda auf Anfrage des STANDARD.

Rücktritte in FPÖ angezeigt

Rücktritt sei vielmehr in der FPÖ angezeigt, erklärt Drozda mit Blick auf Udo Landbauer und das Liederbuch der Burschenschaft Germania, dessen antisemitische Inhalte der "Falter" diese Woche publizierte: "Es gibt bei dieser antisemitischen Unkultur nur einen konsequenten und möglichen Schritt: den sofortigen Rücktritt Herrn Landbauers aus allen Funktionen. Ein Mandatar darf und kann mit einem Germania und deren Liedern nichts zu tun haben."

"Problematischer Umgang mit ORF

Im Umgang mit dem ORF habe die FPÖ eine "sehr problematische Kultur", sagt der stellvertretende SPÖ-Klubobmann: "Ein Mediensprecher hat nicht die Berichterstattung zu qualifizieren, und Stiftungsräte haben nicht die Botmäßigkeit von Interviews zu hinterfragen", sagt Drozda. Zuletzt erklärte Norbert Steger, Stiftungsrat der FPÖ im ORF, dass er Armin Wolfs Interviewführung mit Kanzler Sebastian Kurz und Vize Heinz-Christian Strache "unbotmäßig" fand: "Das zeigt, wes Geistes Kinder hier am Werk sind."

Anlass zur Sorge für das geplante neue ORF-Gesetz? Von Sorge will Drozda nicht sprechen, aber: "Es ist ein Grund zur Wachsamkeit und sehr genau und konsequent zu beobachten", was ÖVP und FPÖ mit dem ORF vorhaben.

Anlass für Jeneweins Rücktrittsforderungen war ein überholter Beitrag in der "ZiB" über eine Anklage gegen Kärntens Exlandeshauptmann Gerhard Dörfler am Sonntag. Die ORF-Redaktion, die APA und andere Medien, darunter derStandard.at, übersahen am Sonntag, dass die Anklage in der Zwischenzeit wieder zurückgezogen war. Der ORF stellte in der Spät-"ZiB" am Sonntag und in der "Zeit im Bild" am Montag richtig. (fid, 26.1.2018)