Markus Wiesner: "Mit Büromöbeln allein ist heutzutage kein Staat mehr zu machen. Wir müssen uns mehr in Richtung Software, Beratung, entwickeln."

Foto: Wiesner-Hager

Altheim/Wien – Es gibt zwei Brauereien, eine Mühle und mehrere Gewerbebetriebe in Altheim. Auch das Holzbauunternehmen Wiehag und der Möbelhersteller Wiesner-Hager haben ihren Sitz in der 5000 Einwohner zählenden Stadtgemeinde im Bezirk Braunau. Nicht zufällig sind beide Nachbarn. Wiesner-Hager und Wiehag waren bis 1991 ein Betrieb.

Nach langem Streit ging man getrennte Wege. "Alles aufzudröseln war schwer genug. Wir haben das letztlich gut hinbekommen", sagt Markus Wiesner, der die Möbelsparte übernommen hat, dem STANDARD. Sein Cousin Erich hat den Bereich Holzkonstruktionen weitergeführt – Wiehag Holzbau.

Markus Wiesner, ein gelernter Maschinenbauer, hat sich 1997 auf die Ausstattung von Büros spezialisiert. Das Unternehmen ist Österreichs Marktführer bei Bürodrehstühlen und Objekteinrichtungen. Der Name geht auf Rudolf Wiesner und Sebastian Hager zurück, zwei Halbbrüder.

Hoher Preisdruck

"Als Generalist hatten wir keine Chance mehr angesichts der beginnenden Globalisierung und des Aufbrechens der Märkte", sagt Wiesner. Der Preisdruck, der von Lieferanten insbesondere aus Osteuropa bei Sitzgruppen ausgelöst wurde, sei zu groß geworden.

Das Geschäft mit der Gastronomie, einer der Haupteinnahmequellen bis dorthin, ließ man sausen; auch entledigte man sich des restlichen Bauchladens (etwa Stühle für die Gastronomie) und konzentrierte sich auf Büroausstattung. "Dort hatten wir Kompetenz, dort glaubten wir uns am besten vor Konkurrenz schützen zu können. Das hat einige Zeit sehr gut funktioniert. Das geschrumpfte Marktvolumen in Österreich machten wir durch Exporte wett", sagt Wiesner.

Die Niederlassungen in Deutschland, Niederlande, Frankreich und Großbritannien sind heute noch ein wichtiges Rückgrat des in fünfter Generation geführten Familienunternehmens. 1995 wurde ein zweiter Produktionsstandort im tschechischen Humpolec, auf halbem Weg zwischen Brünn und Prag gelegen, eröffnet. Dort sind rund 50 der insgesamt 314 Mitarbeiter von Wiesner-Hager mit dem Herstellen von Polsterteilen und Vormontagen beschäftigt. Humpolec dient auch als Zentrale für Aktivitäten in Osteuropa, die nach dem herben Einbruch im Gefolge der Finanzkrise wieder kräftig angesprungen sind.

Software und Beratung

Von Ausruhen könne aber keine Rede sein, der Preisdruck sei auch bei Büromöbeln stark gestiegen, insbesondere bei Standardware. Wiesner: "Mit Büromöbeln allein ist heutzutage kein Staat mehr zu machen. Wir müssen uns mehr in Richtung Software, Beratung, entwickeln." Nukleus dafür ist die 1998 gegründete Tochter Roomware Consulting GmbH. Neun Mitarbeiter sind dort beschäftigt – ein Mix aus Innenarchitekten, Betriebswirten, Planungsfachleuten. Deren Aufgabe ist es laut Wiesner, Kunden zu helfen, in den sich rasch verändernden Arbeitswelten das jeweils passende Konzept zu finden.

"Wir leben von Weiterempfehlungen", sagt Wiesner. Roomware sei in Österreich, Deutschland und mit Abstrichen auch in Tschechien stark gefragt; andere Märkte seien noch nicht so weit bzw. folgten anderen Gesetzmäßigkeiten. Ein Trend sei jedenfalls unverkennbar im Bürobereich: Der Stauraum gehe massiv zurück, Elektronik verdränge Papier.

In Altheim im Innviertel produziert Wiesner-Hager zum Teil in drei Schichten. Das ist nicht zuletzt dem Mangel an Facharbeitern in der Region geschuldet. Die Auftragsbücher seien voll, der Auftragseingang liege um 16,8 Prozent über jenem des Vorjahres.

Für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Februar) wird ein Umsatzplus von acht Prozent auf 40 Millionen Euro prognostiziert – bei einer Exportquote von 56 Prozent. Der Gewinn (EGT) wird bei zwei Millionen Euro nach 1,7 Millionen im Jahr davor erwartet.(Günther Strobl, 30.1.2018)