Der Job des Programmierers ist ein chronischer Mangelberuf. Mit der steigenden Digitalisierung brauchen ihn längst nicht nur Unternehmen aus der IT- und Telekombranche. Die Politik hat entsprechend reagiert, Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) hat nun angekündigt, dass Programmieren unter dem Namen Coding als Lehrberuf eingeführt werden soll.

Grundsätzlich ist jede Investition in dem Bereich zu begrüßen, sofern die Umsetzung stimmt. Programmieren ist in vielerlei Hinsicht ein Learning by Doing. Was in Kursen gelehrt werden muss, ist vor allem ein Verständnis für die berufliche Realität. Ein Programmierer muss mit anderen zusammenarbeiten, eigene Lösungsansätze vertreten und Programme entsprechend an Anforderungen anpassen können. Das sind Kompetenzen, die mit theoretischen Grundlagen und reinen Kodierkenntnissen nicht erfüllt werden. Einen Lehrling also von einem Programmierkurs in den nächsten zu hetzen wird aus ihm noch keinen guten Programmierer machen.

Zudem ist fragwürdig, wieso Softwareschreiben zum Lehrberuf wird, während es an der Technischen Universität (TU) und an der Uni Wien Zugangsbeschränkungen für das Informatikstudium gibt. An der TU wurden 2017 sogar rund 40 Prozent aller Bewerber abgewiesen. Im Grunde genommen werden somit neue Institutionen geschaffen, anstatt jene, die bereits existieren, sinnvoll auszubauen. (Muzayen Al-Youssef, 29.3.2018)