ZKW-Geschäftsführer Oliver Schubert mit LG-Vertretern bei der Pressekonferenz.

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Wieselburg/Seoul – Der LG-Konzern ist mit seinem Übernahmeversuch am Ziel. Die Südkoreaner kaufen um 1,1 Milliarden Euro den im niederösterreichischen Wieselburg beheimateten Spezialisten für Licht- und Elektroniksysteme ZKW. 70 Prozent der Anteile übernimmt LG Electronics, die restlichen 30 Prozent dessen Mutter LG Corporation.

Was Ulrich Mommert, ein deutscher Industrieller und der bisherige Eigentümer der ZKW, für Wieselburg bedeutet, ist vergleichbar mit Dietrich Mateschitz und Fuschl am See. Nach langen Verhandlungen hat sich der 77-jährige Industrielle also nun doch für den Verkauf entschieden.

Gerüchte

Seit Monaten kursierten bereits Gerüchte. Namen wie Panasonic, Magna oder B&C tauchten bei den Interessenten auf. Laut Industriemagazin verliefen die Verhandlungen nach dem Höchstbieterprinzip. Aufgrund der hohen Preisvorstellungen hätten sich die anderen drei Unternehmen deshalb bereits im Sommer aus den Verhandlungen zurückgezogen.

Für die rund 9000 Angestellten an acht Standorten weltweit hat die Akquisition vorerst keine gröberen Auswirkungen. LG verpflichtete sich, die Autonomie von ZKW und die Arbeitsplatzkultur zu erhalten. Die 3500 Mitarbeiter in Österreich an den Standorten Wieselburg und Wiener Neustadt bekommen eine fünfjährige Jobgarantie. ZKW-Chef Oliver Schubert muss den Chefsessel nicht verlassen, und auch die Marke ZKW bleibt.

Vom Fernseher zum Auto

Bekanntheit erlangte der Käufer LG in den heimischen Breitengraden mit Fernsehern, Smartphones und Haushaltsgeräten. Im Bereich Automotive zählt der Elektrogigant noch zu den Jungspunden. Überdies handelt es sich um die größte Übernahme in der 60-jährigen Geschichte von LG Electronics. ZKW erzielte 2017 zwar einen Rekordumsatz von rund 1,3 Mrd. Euro, doch ein Kaufpreis von mehr als einer Mrd. Euro lässt sich wohl nur durch hohe Absatzerwartungen erklären. LG sucht die Nähe zu europäischen Automobilkonzernen, der Kauf von ZKW soll dabei helfen.

Andere LG-Töchter wie LG Display, LG Innotek und LG Chem sind bereits in den Automotive-Bereich eingestiegen. Zu deren Produkten zählen Displays, Kameramodule und Batterien. 3,15 Mrd. Dollar brachte den Südkoreanern das Geschäft mit Fahrzeugkomponenten im Vorjahr ein. Das entspricht einem Plus von 26 Prozent gegenüber 2016. "ZKWs Angebote werden das wachsende Geschäft mit Autoteilen von LG ergänzen", heißt es beim Konzern.

Weiters kündigte LG mit Sitz in Seoul an, zusammen mit ZKW "intelligente Beleuchtungslösungen" zu entwickeln, die dank Sensoren und Fahrzeugkameras auch Informationen und Warnungen auf der Straße anzeigen können. ZKW-Chef Schubert will bis 2025 Topzulieferer im Autobereich werden.

"Vielversprechende Zukunft"

Laut Industriemagazin überwiegt in Zulieferkreisen die Meinung, ein Automotive-erfahrener Systemanbieter hätte mehr Vorteile für die heimische Produktion mit sich gebracht. Ein Branchenexperte, der im Gespräch mit dem STANDARD nicht namentlich genannt werden möchte, attestiert ZKW und LG jedoch eine vielversprechende Zukunft.

Die 1938 in Wien gegründete ZKW hat sich mit fortschrittlichen Technologien zu einem sogenannten Hidden Champion der heimischen Wirtschaft entwickelt. "Die Qualität und Innovationskraft der österreichischen Autozulieferer ist weltweit gefragt und birgt besonderes Wachstumspotenzial", heißt es in einer voriges Jahr erschienenen Studie zum Thema Automotive-Zulieferer in Österreich vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC. Der ausschlaggebende Faktor für erfolgreiches Wachstum seien die Verfügbarkeit und Qualität von Fachkräften.

In Österreich zählen vor allem Familienunternehmen zu den führenden Betrieben in diesem Segment, bei denen sich sowohl Sitz als auch Produktionsbasis in Österreich befinden. Demnach ist wohl nicht zu erwarten, dass die ZKW-Kantine demnächst Kimchi anstatt Schnitzel serviert. (Andreas Danzer, 26.4.2018)