Wien – Das nach mehreren Unfällen angekündigte Maßnahmenpaket der ÖBB hat bei der Gewerkschaft vida einen "bitteren Nachgeschmack" hinterlassen. "Denn die Neuaufstellung der Sicherheitsstrukturen im Konzern darf nicht hauptsächlich aus Schuldzuweisungen an die Mitarbeiter bestehen", sagte Gerhard Tauchner, Sprecher der Plattform Lokfahrdienst, am Donnerstag.

Grundsätzlich sei man erfreut, dass die Kritik nach den Vorfällen beim ÖBB-Management Gehör gefunden und einen weitreichenden Diskussionsprozess über Maßnahmen zur Hebung der Bahnsicherheit und zur Verbesserung der Ausbildung angestoßen hat, betonte Tauchner in einer Aussendung.

Die Schuldzuweisungen hätten sich die "dienstanweisungsgebundenen und engagierten" Eisenbahner aber "nicht verdient". Man könne ihnen seitens der Unternehmensführung "nicht einfach pauschal und wörtlich Schlamperei vorwerfen".

Lokführerausbildung verkürzt

Der vida-Gewerkschafter wies Aussagen der ÖBB zurück, wonach die hauseigenen technischen Ausrüstungen auf dem neuesten Stadt seien. "Die Unfälle in letzter Zeit im Bereich des ÖBB-Personenverkehrs hätten nämlich mit einer technischen Ausrüstung, die dem tatsächlichen heutigen 'State of the art' entsprochen hätte, verhindert werden können", meinte Tauchner.

Er ortet die Ursachen für die Sicherheitsmängel in Mängeln der Vergangenheit: Die Lokführerausbildung sei in den vergangenen 30 Jahren schrittweise von 27 auf neun Monate verkürzt und die früher übliche technische Ausbildung als Grundvoraussetzung gestrichen worden.

Nach Ausbildung sofort auf Strecke fahren

Außerdem führt Tauchner als Ursache die ÖBB-Zerteilung in einzelne Unternehmen im Jahr 2003 an. "Es ist jetzt nicht mehr möglich, die ersten Schritte als Lokführer im Verschub zu erlernen. Die Teilung des Unternehmens hat dazu geführt, dass nach der Ausbildung sofort auf der Strecke gefahren werden muss", erklärte der vida-Gewerkschafter.

"Auch die Überfrachtung mit Digitalisierung und elektronischen Geräten in den Lokomotiven, die Übernahme von zusätzlichen Tätigkeiten, die ursprünglich Aufgabe des eingesparten Zugbegleitpersonals waren, haben das ihrige beigetragen", so Tauchner.

Parallel dazu eine Totalüberwachung der Mitarbeiter zu fordern, von denen ohnehin schon jedes dienstliche Gespräch aufgezeichnet werde, stelle keine vertrauensbildende Maßnahme zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten dar, erklärte der Gewerkschafter im Vorfeld der österreichischen Lokführerkonferenz der Gewerkschaft vida am 3. Mai in Wien. (APA, 26.4.2018)